So frug ich mich, so hab ich mich gefragen.

Eine Anzahl von Zeitungen brachte dann elende Gegensonette, aus denen nichts weiter hervorging, als daß die Verfasser keine Ahnung von den Anfangsgründen der deutschen Grammatik hatten, und daß ihnen die falschen Formen schon so in Fleisch und Blut übergegangen waren, daß sie für das Richtige alles Gefühl verloren hatten.

[38] Wenn freilich Kindern, die im Elternhause noch richtig fragt und fragte gelernt haben, in der Schule das dumme frug in die Arbeiten hinein„korrigiert“ wird, dann ist nichts zu hoffen.

[39] Als eine Merkwürdigkeit mag erwähnt sein, daß die Leipziger Buchbinder sagen: das Buch wird bloß geheftet, dagegen die Leipziger Schneider: der Ärmel ist erst gehoften.

[40] Diese Unterscheidung sitzt im Sprachgefühl so fest, daß mir sogar ein vierjähriges Kind auf meine bedauernde Frage: Du bist wohl gefallen? seelenvergnügt erwiderte: Ich bin nich gefallen, ich hab gehuppt.

[41] Bei brauchen darf natürlich zu beim Infinitiv nicht fehlen. Das hättest du ja nicht sagen brauchen – ist Gassendeutsch.

[42] Ebenso bei bleiben und haben: er ist sitzen geblieben (eigentlich: sitzend) – ich habe tausend Mark auf dem Hause stehen (eigentlich: stehend) – hat keiner einen Bleistift einstecken? (eigentlich: einsteckend). In der ältern Zeit schrieb man sogar: ein Büchlein, das man in Kirchen gebrauchen ist (statt gebrauchend) – wir sind euch dafür danken (statt dankend).

[43] Apotheker und, was man im Volke auch hören kann, Bibliotheker ist anders entstanden, es ist verstümmelt aus apothecarius und biliothecarius. Attentäter wurde anfangs nur als schlechter Witz gebildet (es hätte auch Täter genügt); aber törichte Zeitungschreiber haben es dann in vollem Ernst nachgebraucht.

[44] Kreidezeichnung, Höhepunkt und Blütezeit haben wir ja schon längst, und doch wurden auch sie anfangs richtig gebildet: Kreidenstrich, Höhenpunkt, Blütenzeit.

[45] Ein Jammer ist es, auf Weinkarten und Weinflaschen jetzt Liebfraumilch lesen zu müssen! Wahrscheinlich zur Entschädigung dafür schmuggelt man dann das en in den Niersteiner ein und nennt ihn – höchst verdächtig! – Nierensteiner (Nierstein ist nach dem Kaiser Nero genannt). Visitekarte, Manschetteknopf, Toiletteseife soll vielleicht Visittkarte, Manschettknopf, Toilettseife gesprochen werden – gehört habe ichs noch nicht, man siehts ja immer nur gedruckt; aber wozu die französische Aussprache?