[46] Freilich finden sich auch solche Zusammenleimungen schon früh. Schon im fünfzehnten Jahrhundert kommt in Leipziger Urkunden die Parthenmühle als Pardemöl vor. Im Harz spricht man allgemein und wohl schon lange vom Bodetal und vom Ilsetal.

[47] Ähnlich verhält sichs mit dem neuen Modewort Anhaltspunkt. Früher sagte man: ich finde keinen Anhaltepunkt, d. h. keinen Punkt, wo ich mich anhalten könnte (vgl. Siedepunkt, Gefrierpunkt). Daneben hatte man in demselben Sinne das Substantiv Anhalt; man sagte: dafür fehlt es mir an jedem Anhalt. Aus beiden aber nun einen Anhaltspunkt zu bilden, war doch wirklich überflüssig. Wahrscheinlich hat man geglaubt, damit einen feinen Unterschied zu schaffen zu den Anhaltepunkten auf den Eisenbahnen. Als ob Anhaltepunkt nicht ebensogut die Stelle bedeuten könnte, wo man sich anhält, wie die, wo man anhält!

[48] In Leipzig hält man sich ein Kindermädchen, auch wenn man nur ein Kind hat, in Wien eine Kindsmagd, auch wenn man sechs Kinder hat.

[49] Wofür man in Süddeutschland auch Wartsaal, Singstunde sagt, wie neben Bindemittel auch Bindfaden steht. Schreibpapier und Schreibpult spricht sich schwer aus, weil b und p zusammentreffen; man hört immer nur: Schreipapier. Darum ist wohl Schreibepapier vorzuziehen.

[50] Jean Paul hat schon 1817 einmal den Versuch gemacht, diese s-Krätze, wie er es nannte, zu bekämpfen, merzte auch aus einer neuen Auflage seines Siebenkäs alle falschen s aus. Es ist aber vergeblich gewesen. Und ebenso vergeblich wird es sein, daß es jetzt der Herausgeber der in Berlin erscheinenden Wochenschrift Die Zukunft wieder versucht. Die Mitarbeiter sollten sich das einfach verbitten.

[51] Das Bürgerliche Gesetzbuch kennt die greulichen Zusammensetzungen nicht.

[52] Unter den Hunderten mit Liebe gebildeten Zusammensetzungen haben nur wenige das s nicht: liebreich, liebevoll, liebeglühend, liebetrunken, liebedienerisch, Liebedienerei, einige wohl deshalb, weil hier mehr ein dativisches Verhältnis gefühlt wird.

[53] Wie man auch das Haus eines Mannes, der Plank hieß, das Plänkische Haus nannte, die Mühle in dem Dorfe Wahren die Währische Mühle.

[54] Daneben freilich auch schon vom Manesse-Kodex! Es wird immer besser. Vielleicht wird nächstens auch noch der Farnesische Herkules in einen Farnese’schen verwandelt, und der Borghesische Fechter in einen Borghese’schen.

[55] Auch die guten Pfefferkuchen, die Aachner Printen, sollen früher in Aachen selbst Aacher Printen geheißen haben. In vielen ursprünglich undeutschen (lateinischen, slawischen) Ortsnamen gehört das n zum Stamm; die bilden dann natürlich richtig Bozner, Dresdner, Meißner, Posner usw. Aber die guten Gießer hätten sich keine Gießener Neuesten Nachrichten aufnötigen zu lassen brauchen.