[56] Woraus die Kunsthistoriker „Hans Baldung, genannt Grien“, gemacht haben.

[57] Freilich sind Formen wie Jenaer und Geraer auch nicht besonders schön, so wenig wie die in Sachsen in der Schriftsprache beliebten Adjektivbildungen auf aisch: Grimmaisch, Tauchaisch, Bornaisch, Pirnaisch. In diesen Bildungen ist eine deutsche Endung an eine ganz unvolkstümliche, künstlich gemachte lateinische Endung gehängt. Der Volksmund kennt noch heutigestags nur die Städte Grimme, Tauche, Borne, Pirne und so auch nur die Adjektivbildungen Grimmisch, Tauchisch, Bornisch, Pirnisch, und es wäre zu wünschen, daß sich die amtliche Schreibung dem wieder anschlösse. So gut wie sich zu irgendeiner Zeit das Falsche amtlich hat einführen lassen, ließe sich doch auch das Richtige amtlich wieder einführen. Man pflegt jetzt eifrig die „Volkskunde“, sucht überall die Reste volkstümlicher alter Sitten und Gebräuche zu retten und zu erhalten. Gehört dazu nicht vor allem die Sprache des Volks?

[58] Der Unsinn geht so weit, daß man sogar feststehende formelhafte Verbindungen, wie: eine offne Frage, ein zweifelhaftes Lob, ein frommer Wunsch, blinder Lärm, auseinanderreißt, das Prädikat zum Subjekt macht und schreibt: die Frage, ob das Werk fortgesetzt werden sollte, war lange Zeit eine offnedieses Lob ist doch ein sehr zweifelhaftesdieser Wunsch wird wohl ewig ein frommer (!) bleiben – der Lärm war zum Glück nur ein blinder (!).

[59] Vgl. ein Schock frische Eier – ein Dutzend neue Hemden – eine Flasche guter Wein – mit ein paar guten Freunden – mit ein bißchen fremdländischem Sprachflitter.

[60] Den Inhalt eines Dramas kurz anzugeben, gehört zu den beliebtesten Aufgaben für deutsche Aufsätze in den oberen Gymnasialklassen. Es ist auch wirklich eine Aufgabe, bei der viel gelernt werden kann. Wie viel ärgerliche Korrektur aber könnte sich der Lehrer ersparen, wenn er bei der Vorbesprechung immer auch diese Tempusfrage mit den Jungen gründlich erörterte!

[61] Nur in Süddeutschland und Österreich wird welcher auch gesprochen, aber immer nur von Leuten, die sich „gebildet“ ausdrücken möchten. In deren falschem, halbgebildetem Hochdeutsch – da grassiert es. In Wien und München, dort sagen es nicht bloß die Professoren in Gesellschaft, sondern auch schon die Droschkenkutscher, wenn sie zusammengekommen sind, um zu einem neuen Tarif „Stellung zu nehmen“. Ja sogar der norddeutsche Professor spricht, wenn er nach Wien berufen worden ist, nach einigen Jahren „bloß mehr“ welcher. In Mittel- und Norddeutschland aber spricht es niemand.

[62] Um welcher zu verteidigen, hat man neuerdings ausgezählt, wie oft es unsre klassischen Schriftsteller schreiben, und hat gefunden, daß sie es – sehr oft schreiben. Aber was wird damit bewiesen? Doch weiter nichts, als daß auch unsre klassischen Schriftsteller von Kindesbeinen an im Banne der Papiersprache gestanden haben. Das braucht aber nicht erst bewiesen zu werden, das wissen wir längst.

[63] Wenn man nicht der der oder die die schreiben dürfte, dann dürfte man auch nicht schreiben: an andrer Stelle, ein einzigesmal, bei beiden Gelegenheiten, mit mitleidiger Miene. Sehr oft entsteht übrigens die so gefürchtete Doppelung nur durch falsche Wortstellung: ein persönliches oder reflexives Fürwort, das zwischen die beiden der oder die oder das gehört, wird verschoben und erst beim Verbum nachgebracht: alle Änderungen, die die Schule sich hat gefallen lassen – die Grundsätze, an die die Revision sich gebunden hat – die Aufgaben, die die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Zeit uns stellen. Man bringe das persönliche Fürwort an die richtige Stelle, und das Gespenst ist verschwunden: alle Änderungen, die sich die Schule hat gefallen lassen.

[64] Hier ist eine Apposition, die vor dem Relativpronomen stehen müßte, in den Relativsatz versetzt. Das ist vollends undeutsch, es ist ganz dem Lateinischen nachgeahmt.

[65] Nicht zu verwechseln hiermit ist natürlich ein Fall wie folgender: eine der größten Schwierigkeiten für das Verständnis unsrer Vorzeit, die meist gar nicht gewürdigt wird. Hier muß es wird heißen, denn hier bezieht sich der Relativsatz wirklich auf eine; der Sinn ist: und zwar eine, die meist gar nicht gewürdigt wird.