[151] Bedingungssätze statt mit wenn mit dem Verbum anzufangen ist an sich nicht übel, nur darf das Verbum dann nicht unmittelbar hinter dem des Hauptsatzes stehen, z. B. ich muß eilen, will ich den Zug nicht versäumen – ein gewissenhafter Mann darf, will er seinen Ruf nicht gefährden – es ist manches verschwiegen, was gesagt werden müßte, sollte die Veröffentlichung überhaupt Berechtigung haben. Wer laut schreibt, wird so etwas nie schreiben. Die beiden Verba platzen aufeinander wie ein paar Lokomotiven. Schreibt man wenn, so mündet der Nebensatz leicht und natürlich ein wie ein Nebenflüßchen, das den Fluß des Hauptsatzes beschleunigt. Hüten muß man sich vor der Häufung einsilbiger Wörter. Doch kann auch eine lange Reihe einsilbiger Wörter ganz fließend klingen, wenn sie durch den Akzent zu Gruppen zusammengefaßt werden, z. B.: ein Umstand, wie es ihn | bis jetzt | noch fast gar nicht | gegeben hat.

[152] Sehr komisch ist es, wenn unwillkürlich einmal die gesunde Natur durch die Manier durchbricht, wo es zu spät ist. Dann entstehen Sätze wie: es ist zu bedauern, was für ein Aufwand von Zeit und Mühe darauf verwendet worden ist – die Erfahrungen, die man in Dresden mit dieser Einrichtung gemacht hat, dürften den Beweis für die Notwendigkeit derselben genügend bewiesen haben – eine telegraphische Nachricht, wonach die Möglichkeit einer persönlichen Begegnung für möglich erachtet wurde.

[153] Schon als Knaben haben mich die Verse nachdenklich gemacht: Ritter, treue Schwesterliebe widmet euch dies Herz. Dann heißt es weiter: fordert keine andre Liebe – wo mir wieder fordert wie ein zweites Prädikat zu Schwesterliebe erschien.

[154] Wenn aber Sigismund Breslauer anzeigt, daß er für alte Kleider staunend hohe Preise bezahle, und Sigismund Cohn, daß er zu staunend niedrigen Preisen verkaufe, so ist das natürlich wieder eine Verwechslung; sie meinen erstaunlich hohe und niedrige Preise.

[155] In Leipzig wird ein Hauskauf nicht ins Grundbuch geschrieben, sondern grundbücherlich (so!) verlautbart.

[156] Das niedrige Volk sagt jetzt auch: da hört sich alles auf! offenbar, indem es die Redensart: das gehört sich – damit zusammenwirft.

[157] Im Friseurladen redet man jetzt von amerikanischer Kopfwäsche. Wenn jemand im Neuen Testament von Jesu Fußwäsche reden wollte!

[158] Im sechzehnten Jahrhundert sprach man noch von Unterrichtung. Als dafür Unterricht aufkam (anfangs gewiß auf der letzten Silbe betont), muß sprachfühlenden Leuten ähnlich zumute gewesen sein wie uns heute beim Vollzug und beim Entscheid.

[159] Bei dem jetzt so beliebten entfallen mag wohl das lateinische dis vorgeschwebt haben, das in distrahere die Trennung, in distribuere die Verteilung bedeutet.

[160] Ein Fehler ist es übrigens, diese Präfixe abzutrennen und zu betonen, wie An- und Verkauf, be- und entladen, Be- und Entwässerung. Getrennt und betont werden können immer nur echte Präpositionen: auf- und absteigen, Ab- und Zugang; dagegen Ankauf und Verkauf.