[141] Die Inversion findet sich in der ältern Zeit auch nach denn und nämlich; wird das heute jemand nachmachen wollen? Vortrefflich schließt O. Erdmann einen Aufsatz über die Geschichte der Inversion mit den Worten: „Das historische Studium des ältern Sprachgebrauchs soll einem vernünftigen und kräftigen Streben nach Regelrichtigkeit des gegenwärtigen und künftigen nicht hinderlich, sondern förderlich werden.“

[142] Ein Meister des deutschen Stils, Otto Gildemeister, schrieb einem jungen Neffen, als dieser in einem Brief an ihn eine Inversion gebraucht hatte: So schreiben Kommis und schlechte Journalisten, aber kein edler deutscher Jüngling. Diese Inversion ist so schlimm wie mit dem Messer essen. Tu es nicht wieder!

[143] Tausendmal habe ich bei der Durcharbeitung von Manuskripten das sich heraufgeholt an die richtige Stelle, und niemals haben die Verfasser, wenn sie die Druckkorrektur bekamen, etwas davon gemerkt; alle haben darüber weggelesen, als ob sie selber so geschrieben hätten. Und hundertmal ist mir in Manuskripten der Fall begegnet, daß der Verfasser bei der ersten Niederschrift das sich an die richtige Stelle gesetzt, aber beim Wiederdurchlesen dort ausgestrichen und dann hinten, unmittelbar vor dem Verbum, hineingeflickt hatte – niemals das umgekehrte! Damit ist schlagend bewiesen, daß die Voranstellung des sich das natürliche ist und das, was jedem, der unbefangen schreibt, aus der lebendigen Sprache zunächst in die Feder läuft; erst wenn das Drechseln und Feilen beginnt, entsteht die Unnatur.

[144] Nur wo ein Mißverständnis, eine Verwechslung von Subjekt und Objekt möglich ist, hat es einen Sinn, das Subjekt in dieser ängstlichen Weise vor das Fürwort zu stellen, z. B. Vater und Mutter müssen sich darein finden, daß die Kinder sie verlassen. Aber ist etwa ein Mißverständnis möglich, wenn man sagt: Tatsachen machen sich geltend, gleichviel ob sie die Juristen definieren können oder nicht? Wird hier jemand die Juristen für das Objekt halten?

[145] Der Ausdruck ist von Gottfried Hermann gebildet.

[146] Der Volksmund vermeidet das sogar zuweilen bei dem unbestimmten Artikel und dem unbestimmten Fürwort und sagt: das ist gar ein merkwürdiger Mensch, das ist ganz was feines.

[147] Tausendmal habe ich in Manuskripten auch diese häßliche Wortstellung beseitigt, und niemals haben die Verfasser, wenn sie ihre Druckkorrektur erhielten, von der Änderung etwas gemerkt, immer haben sie ohne Anstoß darüber weggelesen, also offenbar geglaubt, sie hätten selber so geschrieben! Wenn es wirklich ein so starkes logisches Bedürfnis wäre, das Adverb einzuschieben, so hätte doch einmal einer Anstoß nehmen und seine ursprüngliche Fassung wiederherstellen müssen!

[148] Ein harmloses Menschenkind, dem die zwei Präpositionen hintereinander doch wider den Strich gingen, schrieb: mit Zumherunterlassen eingerichteten Fenstern!

[149] Ähnlich: der Dichter begnügt sich mit einer Skizze, da wo wir ein ausgeführtes Bild erwarten. Nach dem Satzbau: der Dichter begnügt sich mit einer Skizze da, wo wir usw.

[150] In dem hübschen Scherz: Der Papierreisende (Gesammelte Schriften, Bd. 2).