[131] Solche Zusammenziehungen stehen ungefähr auf derselben Stufe wie die bekannten scherzhaften Wortverbindungen: geo- und arithmetisch – teils aus Frömmig-, teils zum Zeitvertreib – der heutige Tag wird mir ewig denk- und gegenwärtig bleiben.

[132] Vollends arg sind Zusammenziehungen wie: unsre Arbeit und Streben. Über solche Sudelei ist natürlich kein Wort zu verlieren; für sie gibt es auch keinen Schein von Entschuldigung.

[133] Das geschieht z. B. bei der Verdopplung einer Präposition wie: an diese Jugendarbeit schlossen sich mehrere Dramen an – sie traten aus der Landeskirche aus – man warf ihn aus dem Zimmer hinaus – das Gymnasium geriet in einen innern Widerspruch hinein – dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch das Gesetz hindurch – wir können uns schlechterdings nicht darum herumdrücken. Gegen solche Verdopplungen ist nichts einzuwenden.

[134] Von einem Leipziger Bankier erzählt man, daß er auf die Frage, ob er eine gewisse ausländische Geldsorte beschaffen könne, mit der Gegenfrage geantwortet habe: muß es denn jetzt alleweile gleich in demselben Momente sein? Ein Schaubudenbesitzer macht bekannt: „Morgen Eintritt ausschließlich nur allein für Damen.“

[135] Dabei hier noch der gemeine Provinzialismus, daß brauchen mit dem bloßen Infinitiv verbunden ist! (Vgl. [S. 61].)

[136] Ein neutraler Begriff ist Lage. Ich bin in der Lage – kann ebensogut heißen: ich habe die Möglichkeit, wie: ich bin genötigt. Hier muß die besondre Art der Lage durch ein können oder müssen näher bezeichnet werden. Dagegen ist es natürlich überflüssig, zu schreiben: er wird in die Zwangslage gebracht, sich mit einer Stellung zweiten Ranges begnügen zu müssen. Vereinzelt wird übrigens auch der umgekehrte Fehler gemacht, nämlich das Hilfszeitwort weggelassen, wo es ganz notwendig ist, z. B.: wir erklärten, dazubleiben – wo es heißen muß: dableiben zu wollen, denn in erklären liegt noch nicht der Begriff der Absicht.

[137] Alle diese Beispiele sind, wie ausdrücklich bemerkt werden mag, nicht erfunden!

[138] Übrigens kann ein Bild auch ohne Vermengung mit andern geschmacklos wirken, nämlich dann, wenn es zu sehr ausgetitscht wird; so, wenn es von den Arbeiten, die ein Schriftsteller seinem Verleger einsandte, heißt: jede jährliche Ernte seines Fleißes und Talentes hat er in den Hof des befreundeten Hauses eingefahren.

[139] Mit dem Voranstellen des abhängigen Genitivs muß man überdies vorsichtig sein. Vor kurzem ist ein Buch erschienen: Lichtenbergs Mädchen. Da fragt doch der Leser sofort: das oder die?

[140] Das Mitglied Eugen Richter des Reichstags habe ich wirklich gedruckt gelesen.