[121] Dieser dumme Strich hat es mit sich gebracht, daß nun auch geschrieben wird: zwischen 1670 bis 1710. Offenbar hatte einer geschrieben: zwischen 1670–1710, ein andrer schrieb das ab und wollte ein Wort aus dem Striche machen. Hier hätte er aber den Strich als und lesen sollen! Besser, man macht keine Striche, sondern schreibt Wörter.
[122] Wenn Wolfgang Müller von der Wunderblume singt: Sie blüht nur einmal alle hundert Jahr, so heißt das nur, daß sie im Verlaufe von hundert Jahren einmal blühe. Soll aber ausgedrückt werden, daß sie in regelmäßigen Zwischenräumen von hundert Jahren blühe, so ist das einmal ganz überflüssig; dann genügt es, sagen: sie blüht aller hundert Jahr.
[123] Ich hatte einmal eine Zeit lang in regelmäßigen Zwischenräumen in der Zeitung bekanntzumachen, daß nächste Mittwoch Abend 8 Uhr eine gewisse Versammlung abgehalten werde (ich gehöre nämlich zu den altmodischen Leuten, die Mittwoch noch für ein Wort weiblichen Geschlechts halten). Regelmäßig hatte mir der Zeitungsetzer, der es natürlich besser wußte, nächste Mittwoch Abends daraus gemacht, bis ich mirs endlich verbat.
[124] Bei Handlungen, die noch bevorstehen, wird die erste Verbindung vorgezogen, bei Handlungen, die vorüber sind, die zweite. Wann wird er zurückkehren? (Den) Donnerstag. Wann ist er zurückgekehrt? Am Donnerstag.
[125] Zu den nicht auszurottenden Scherzen der Geschäftssprache gehört das sogenannte „Undzeichen“ &, das angeblich zur Abkürzung des Wörtchens und gebraucht wird. Es ist aber gar kein Undzeichen, sondern es ist weiter nichts als das verschnörkelte lateinische Wörtchen et. Aber alle Geschäftsleute und Firmenschreiber sind glückselig, wenn sie schreiben können: Calw et Stuttgart, Max et Johann Schneider, Tricotagen et Strumpfwaren, Conditorei et Café, Schnitzel mit Schoten et Karotten. Als ob nicht und eben so kurz wäre!
[126] Durch falsche Stellung oder Beziehung der Negation kann der Sinn eines Satzes vollständig verschoben werden. Es ist ein großer Unterschied, ob ich sage: Nicht alle Bücher dieses Verzeichnisses sind eingebunden, oder: Alle Bücher dieses Verzeichnisses sind nicht eingebunden. Auf den Programmen der Leipziger Gewandhauskonzerte steht: Für die Aufführung sämtlicher Nummern dieses Programms wird keine Gewähr übernommen, d. h.: es ist möglich, daß das ganze Programm nicht aufgeführt wird – eine schöne Aussicht! Die Direktion will aber sagen: es ist möglich, daß nicht das ganze Programm aufgeführt wird. Das hätte sie auf ihre Weise so ausdrücken müssen: Dafür, daß sämtliche Nummern dieses Programms aufgeführt werden, wird keine Gewähr übernommen.
[127] Freilich war kein ursprünglich gar kein verneinendes, sondern ein unbestimmtes Fürwort (irgend ein). Luther hat es sicherlich noch so gefühlt.
[128] Es gibt jetzt Schriftsteller, die vor lauter Ziererei nicht mehr traurig sagen, sondern unfroh.
[129] In der Schiffersprache geht man in See, an Land, an Bord, auf Deck, und der Soldat zieht auf Wache. Neuerdings ist es aber auch fein geworden, nicht mehr auf die Jagd zu gehen, sondern auf Jagd (oder vielmehr auf Jacht, natürlich nachdem man vorher ein Stück „mitm Zuch jefahren is“), und der junge Leutnant wird auf Festung kommandiert oder geht auf Kriegsschule. Schließlich geht man vielleicht auch noch auf Universität, setzt sich auf Stuhl und klettert auf Baum.
[130] Falsch ist es natürlich auch, das Hauptwort solcher Redensarten in die Mehrzahl zu setzen: hierüber sind neuerdings Klagen geführt worden. Man führt nur Klage, aber nicht Klagen.