Dingelstedt gebraucht es 1851 in seinem Gedicht „Christnacht“, worin er den Heiland des Jahrhunderts herbeiwünscht, aber nicht als Kind,
Nein, groß und fertig, voll und ganz
Entsteig’ er unsern Dämmerungen –
schon ironisch. In einer Erinnerung an Gottfried Keller (Berliner Tageblatt vom 13. April 1891) wird erzählt, Keller habe, als in der Unterhaltung mit ihm jemand voll und ganz gebraucht habe, ausgerufen: „Voll und ganz! Hm, hm! Da sieht man, was ihr für Patrone seid! Phrase, nichts als Phrase! Voll und ganz ist das charakterloseste Wort, das es gibt, trotz seiner Fülle!“
[165] Als der junge Goethe 1773 seine kecke Schrift „Von deutscher Baukunst“ hatte drucken lassen, schrieb der wackere kurf. sächsische Hofbaumeister Krubsacius eine Kritik darüber. Darin spricht er auch von der „neumodischen Schreibart“, die schon so vielfältig ausgespottet worden sei und trotzdem immer weiter um sich gegriffen habe. Daran knüpft er die wahrhaft klassischen Worte: „Ein Mißbrauch wird nicht anders als durch sich selbst ausgerottet, wenn er nämlich zu einer solchen Höhe anwächst, daß ein jeder, der nicht zu stumpfe Sinne hat, das Ungeheure davon gewahr werden kann.“
[166] Abgesehen natürlich von Infinitiven, die ganz zu Substantiven geworden sind, wie Leben, Essen, Vergnügen, Vermögen, Wohlwollen u. a.
[167] Seitdem dieses Kapitel veröffentlicht worden ist, ist der Mißbrauch erfreulicherweise bedeutend zurückgegangen. Trotzdem mag es unverändert hier wieder abgedruckt werden – als sprachgeschichtliches Zeugnis.
[168] Neuerdings wird das Wort sogar für anfertigen, schaffen gebraucht: er hat sich ein Paar neue Stiefel fertigstellen lassen – eine Sonate ist mit weniger Zeit und Mühe fertigzustellen als eine Symphonie!
[169] Von festen Körpern nur in dem Sinne von zerkleinert; klarer Zucker, klares Holz.
[170] Soll vielleicht auch weiter gezählt werden: die zweitmalige, drittmalige usw.?