[171] Eine Leipziger Zeitung schrieb neulich: das Rathaus besitzt denselben Baumeister wie die Pleißenburg!
[172] Anders in „Künstlers Erdewallen“, wo es von dem Kunstschatz des Reichen heißt: „Und er besitzt dich nicht, er hat dich nur.“
[173] Das t ist dasselbe unorganische Anhängsel wie in jetzt, selbst und Obst. In Leipzig sagt das Volk auch anderst, Rußt, Harzt.
[174] Früher hieß es im Namen des Königs, aus Mangel an genügendem Angebot, jetzt nur noch namens des Königs – mangels genügenden Angebots. Schon der häßliche Gleichklang, der ganz unnötigerweise durch die Häufung der Genitiv-s entsteht, hätte von solchen Bildungen abhalten sollen. Aber die Leute sind ganz vernarrt in solche Genitive; man denke auch an: anfangs (!) Oktober (vgl. [S. 8]).
[175] Ein solches s drängt sich freilich gar zu gern ein, man denke an vollends, bereits, öfters, nirgends, zusehends, durchgehends, allerdings, schlechterdings (um 1700 noch aller Dinge, schlechter Dinge), „neuerdings“ auch folgends. Bei den meisten dieser Wörter fühlen wir gar nicht mehr das Unorganische des s, höchstens noch bei öfters. Wir fühlen es aber sofort wieder, wenn wir das häßliche süddeutsche und österreichische weiters und durchwegs hören: ein selbständiges, durchwegs auf Erfahrung begründetes Urteil – oder wenn wir unversehens und unbesehens lesen: der Zuhörer steht unversehens vor dem Dämonischen – er hätte dieses Argument nicht so unbesehens hinnehmen sollen.
[176] Bezüglich ist Präposition und bedeutet dasselbe wie hinsichtlich, rücksichtlich.
[177] Auf einige häßliche Austriazismen ist schon in der Formenlehre und in der Satzlehre hingewiesen worden. Vgl. [S. 17] und [58].
[178] Manche Kaufleute behaupten, in dem ab liege ein besondrer Sinn; es solle ausdrücken, daß der Übergang einer Ware aus dem Besitz des Kaufmanns in den des Käufers an der angegebnen Stelle (ab Bahnhof, ab Lager) geschehe; der Bahnhof, das Lager sei der „Erfüllungsort“. Davon hat aber doch der harmlose Käufer, der so etwas in der Zeitung liest, keine Ahnung.
[179] Unsre Professoren lachen heute, wenn sie in einem Buche des achtzehnten Jahrhunderts lesen: die iniquitaet ist manifest oder: wir müssen diese difficultaeten superiren. Mache sie es denn aber um ein Haar besser?
[180] Freilich gehen Technik und Wissenschaft mit bösem Beispiel voran. Vgl. Taxameter, Automobil, homosexuell (dessen erste Hälfte auch „gebildete“ Leute für das lateinische homo halten!), Telefunken u. ähnl.