Fließender Stil

Man spricht so viel von fließendem Stil, beneidet wohl auch den und jenen um seinen fließenden Stil. Ist das Sache der Begabung, oder ist es etwas erlernbares?

Zum Teil beruht das, was man fließenden Stil nennt, unzweifelhaft auf der Klarheit des Denkens und der Folgerichtigkeit der Gedankenentwicklung – nur wer sich selbst über eine Sache völlig klar geworden ist, kann sie auch andern klarmachen –, zum Teil auch auf Rhythmus und Wohllaut – es wird viel zu viel stumm geschrieben, während man doch nichts drucken lassen sollte, was man sich nicht selber laut vorgelesen hat![151] –, zum größten Teil aber beruht es auf gewissen technischen Handgriffen beim Satzbau – Handwerksvorteilchen möchte ich sagen –, die man eben kennen muß, um sie anwenden zu können. Unbewußt und unwillkürlich wendet sie niemand an. Es gibt zwar auch einen Naturburschenstil, der den Leser durch eine gewisse Gewandtheit ein paar Seiten lang täuschen kann; dann kommt aber plötzlich ein Satz, der deutlich verrät, daß der Verfasser nur zufällig, nicht mit Bewußtsein fließend geschrieben hat.

Den angenehmen Eindruck, daß jemand fließend schreibe, hat man dann, wenn beim Lesen das Verständnis, die geistige Auffassung des Geschriebnen immer gleichen Schritt hält mit der sinnlichen Auffassung, die durch das Auge vor sich geht. Ist das nicht der Fall, ist man öfter genötigt, stehen zu bleiben, mit den Augen wieder zurückzukehren, einen ganzen Satz, einen halben Satz oder auch nur ein paar Worte noch einmal zu lesen, weil man sieht, daß man das Gelesene falsch verstanden hat, so spricht man von holprigem oder höckrigem Stil. Solch ärgerliches Mißverständnis kann aber die verschiedensten Ursachen haben. Wer diese Ursachen zu vermeiden weiß, wer den Leser jederzeit zwingt, gleich beim ersten Lesen richtig zu verstehen, der schreibt einen fließenden Stil. Das ist das ganze Geheimnis. Im folgenden sollen einige Haupthindernisse eines fließenden Stils zusammengestellt werden.

Vor allem gehört zu ihnen die leider in unsrer Sprache weitverbreitete, ungemein beliebte und doch das Verständnis, namentlich dem Ausländer, aber auch dem Deutschen selbst überaus erschwerende Unsitte (so, wie es hier soeben geschehen ist!), zwischen den Artikel und das zugehörige Hauptwort langatmige Attribute einzuschieben, statt diese Attribute in Nebensätzen nachzubringen. Dergleichen Verbindungen sind eine Qual für den Leser. Man sieht einen Artikel: die. Dann folgt eine ganze Reihe von Bestimmungen, von denen man zunächst gar nicht weiß, worauf sie sich beziehen: verbreitete, beliebte, erschwerende. Endlich kommt das erlösende Hauptwort: Unsitte! Während also das Auge weiter gleitet, weiter irrt, wird unmittelbar hinter dem Artikel der Strom der geistigen Auffassung unterbrochen, es entsteht eine Lücke, und der Strom schließt sich erst wieder, wenn endlich das Hauptwort kommt. Dann ist es aber zu spät, man hat die Übersicht über das Eingeschobne längst verloren, muß wieder umkehren und das Ganze noch einmal lesen. Eine solche Unterbrechung tritt zwar bei jedem eingeschobnen Attribut ein, aber bei kurzen Attributen doch in so geringem Maße, daß man sie gar nicht fühlt. Je länger das Attribut ist, desto empfindlicher und störender wirkt die Lücke. Nur ein guter Schriftsteller hat ein richtiges und feines Gefühl dafür, was er dem Leser in dieser Beziehung zumuten darf. Unsre Kanzlisten und Zeitungschreiber haben meist keine Ahnung davon; sie schreiben seelenvergnügt, indem sie immer ein Attribut ins andre schachteln: das Gericht wolle erkennen, der Geklagte (!) sei schuldig, mir für die von mir an die in dem von ihm zur Bearbeitung übernommenen Steinbruch beschäftigten Arbeiter vorgeschossenen Arbeitslöhne Ersatz zu leisten – oder: von einer durch einen in einer Umwälzung in den wichtigsten Einrichtungen aller Kulturstaaten bestehenden Vorteil ausgezeichneten Erfindung sind einige Gewinnanteile zu verkaufen – oder: mit einem von dem auf der nach dem Wasser zu gelegnen Veranda aufgestellten Musikkorps des ersten Gardedragonerregiments geblasenen Choral wurde die Feierlichkeit eröffnet.

Ein zweites Haupthindernis eines fließenden Stils ist schon früher besprochen worden und soll hier nur noch einmal kurz erwähnt werden: es ist der unvorsichtige Gebrauch der Fürwörter (vgl. [S. 224]). Wie ärgerlich wird man beim Lesen aufgehalten durch ein er, sie, ihm, ihn, sein, ihr, diesem, wenn man nicht sofort sieht, auf wen oder was es sich bezieht! Wo irgendein Mißverständnis möglich ist, sollte immer statt des Fürworts wieder das Hauptwort gesetzt werden.

Eine dritte Unsitte, die das Verständnis alles Deutschgeschriebnen in neuerer Zeit in der peinlichsten Weise erschwert, besteht darin, daß man das eigentliche und wirkliche Hauptwort des Satzes, nämlich das Verbum, immer in ein Substantiv verwandelt, entweder in ein wirkliches Substantiv oder in einen substantivierten Infinitiv. Da wird z. B. geschrieben: der Zuhilfenahme eines besondern Rechts der Persönlichkeit bedarf es nicht (statt: ein besondres Recht zu Hilfe zu nehmen ist nicht nötig) – beim Unterbleiben einer baldigen Inangriffnahme des Projekts (statt: wenn das Projekt nicht bald in Angriff genommen wird) – nach Umarbeitung eines Teils der Lieder zum Zwecke der Herstellung ihrer Sangbarkeit für Männerchöre an höhern Schulen (statt: nachdem ein Teil der Lieder umgearbeitet worden ist, um sie sangbar zu machen) – aus Gründen der Zugänglichmachung dieses Vorteils für das große Publikum – (statt: um diesen Vorteil zugänglich zu machen) – im Interesse der Vermeidung von Wiederholungen (statt: um Wiederholungen zu vermeiden) – trotz der seitens des Vorsitzenden erfolgten Ablehnung des Antrags des Angeklagten auf Vorladung des Kellners (statt: obgleich der Vorsitzende den Antrag des Angeklagten ablehnte, den Kellner vorzuladen) – das Mißlingen des Versuchs muß natürlich sein Aufgeben zur Folge haben (statt: wenn der Versuch mißlingt, muß er natürlich aufgegeben werden) – für die Mehrzahl der Reisenden hat die Erweiterung des Gesichtskreises aufgehört der Reisezweck zu sein (statt: die meisten reisen nicht mehr, um ihren Gesichtskreis zu erweitern) – die Voraussetzung für die Patentierung eines Advokaten bildet eine mehrjährige Hilfsarbeiterschaft in einem Bureau (statt: wer als Advokat patentiert sein will, muß mehrere Jahre Hilfsarbeiter gewesen sein) – es gibt eine Grenze, bei deren Überschreitung die Vermehrung der Bevölkerung nicht zur Erhöhung, sondern zur Verminderung des Wohlstandes führt (statt: das Wachstum der Bevölkerung hat eine Grenze; wird diese überschritten, so wird der Volkswohlstand nicht vermehrt, sondern vermindert). Es gibt Schriftsteller, bei denen diese Art, sich auszudrücken, vollständig zur Manier geworden ist; sie haben sich so hinein verrannt, daß sie nicht wieder davon loskommen. Jeder Gedanke, der vor ihrer Seele auftaucht, nimmt sofort die Gestalt eines Substantivs an, jeder Hauptsatz, jeder Nebensatz gerinnt ihnen zu einem Substantiv. Erweitern – das können sie gar nicht mehr denken, sie denken nur noch Erweiterung.[152] Statt um zu, weil, so daß, wenn schwebt ihnen sofort Zweck, Grund, Interesse, Folge, Voraussetzung vor. Wenn ein gewissenhafter Redakteur mit solchen Mitarbeitern zu tun hat, so bleibt ihm gar nichts weiter übrig, als Satz für Satz die harten Substantivschalen entzweizuschlagen und überall den weichen Verbalkern herauszuholen, mit andern Worten: Satz für Satz umzuschreiben, aus der Substantivsprache in die Verbalsprache zu übersetzen. Verba erhalten den Satzbau geschmeidig und flüssig, sie lassen sich in der mannigfaltigsten Weise bekleiden, ohne daß die Sätze beschwert werden und dadurch schleppend werden. Sowie man aber den Verbalbegriff substantiviert, entstehen nicht nur so häßliche Bildungen wie: Zuhilfenahme, Inangriffnahme, Inanspruchnahme, Beiseiteschiebung, Zugänglichmachung, Zurannahmebringung, Inanklagestandversetzung, sondern diese zähen Verbalextrakte müssen nun auch erst wieder durch irgendeinen wässerigen, gehaltlosen Zusatz wie stattfinden, erfolgen, bewirken in den flüssigen Zustand zurückversetzt werden, der für den Satzbau notwendig ist. Außerdem verbaut man sich durch solche Substantivierung selbst den Weg, verfitzt sich den Satz, und adverbielle Bestimmungen geraten in die Gefahr, falsch bezogen zu werden, wie in folgenden Sätzen: Seine Majestät gab das Zeichen zum Beginn der Feier durch Absingung eines Chorals (statt: durch Absingung zu beginnen) – man verzichtete auf die Beantwortung einer Thronrede durch eine Adresse (statt: durch eine Adresse zu beantworten) – K. wurde der Körperverletzung mittels eines schweren Werkzeuges angeklagt (statt: mittels eines schweren Werkzeuges verletzt zu haben) – ein Expedient wurde wegen Unterschlagung von 750 Mark zum Nachteil seines Prinzipals verhaftet (statt: weil er zum Nachteil seines Prinzipals oder einfach: seinem Prinzipal unterschlagen hatte) – die Fischerinnung hat das Befahren der Flüsse innerhalb der Stadtflur mit Booten und Kähnen verboten (statt: mit Booten und Kähnen zu befahren). Eine adverbielle Bestimmung gehört, wie ihr Name sagt, zunächst zum Verbum; wird dieses Verbum substantiviert, so flüchtet sie eben zu einem andern Verbum, und der Unsinn ist fertig. Namentlich in unsrer Gesetz- und Verordnungssprache spielt dieser Fehler eine große Rolle; Tausende von Bekanntmachungen, Verordnungen, Warnungen und Verboten, aber auch die einzelnen Punkte von Tagesordnungen und Protokollen fangen gewöhnlich gleich mit einem Verbalsubstantiv oder einem substantivierten Infinitiv an und quälen dann sich und die Leser mit allem, was darauf folgt.

Ein vierter, sehr häufiger Fehler, aus dem das gerade Gegenteil eines fließenden Stils entspringt, besteht darin, daß ein casus obliquus eines Hauptworts so im Satze gestellt wird, daß er beim ersten Lesen entweder nicht erkannt wird oder falsch bezogen werden muß. Sehr gewöhnlich ist es z. B., daß ein Satz mit einem Akkusativ angefangen wird, der, weil er ein Femininum, ein Neutrum oder ein Plural ist oder keinen Artikel hat, nicht eher als Akkusativ erkannt wird, als bis – oft ziemlich spät – das Subjekt folgt[153]; bis dahin hält ihn jeder Leser für den Nominativ, also für das Subjekt des Satzes, z. B.: die Pflege und die Wartung des jüngsten Kindes besorgt die Hausfrau selbst – die Frage, ob es richtig war, auch die schon seit längerer Zeit ansässigen Einwandrer auszuweisen, untersuche ich hier nicht – seine Erziehung hatte bisher nach der allgemeinen Gewohnheit in hochadligen Familien ein Priester geleitet – die beste Schilderung Corneliens, zugleich ein herrliches Denkmal dankbarer Liebe, haben wir in Wahrheit und Dichtung – die harmlose Geselligkeit der anständigen Restaurationen will der Ankläger nicht gemeint haben – die Einreihung der nicht teuern Bände in jede Familienbibliothek befürworte ich aufs wärmste – das Orchester führte schneidig und mit Umsicht Herr Kapellmeister P. – das große Pferd, dessen mythologische Bedeutung schon durch die Statue auf der Säule nahegelegt wird, hat Thausing als Herkules gedeutet – das geistige Leben beherrscht auf der einen Seite die bald in scholastischer Erstarrung erstickende lutherische Theologie, auf der andern der Jesuitismus – anerkannte Namen von bestem Klange wie aufstrebende neue Talente hat unsre Mitarbeiterliste aufzuweisen – des Kaisers Sieg bei Mühlberg, nach dem die Tage des Evangeliums gezählt schienen, feierte Agricola durch einen Dankgottesdienst – die Herren, die sich an unserm Fortbildungskursus beteiligen wollen, ersuchen wir usw. Aber auch andre Fälle solcher falscher Beziehungen kommen vor, wie folgende Beispiele zeigen (das Mißverständnis, in das jeder Leser zunächst verfällt, soll durch den Druck hervorgehoben werden): diese volle Unabhängigkeit fordernde Stelle – in einem Ende November 1862 an das Ministerium gerichteten Schreiben – die Sozialdemokratie besteht noch in dem Staate gefahrdrohender Weise – der Staatsbetrug der Armeelieferanten ist mir lieber als der der Staatsteile verschachernden Fürsten – es handelt sich um eine sehr weite Kreise interessierende Angelegenheit – um sie zu allen Anforderungen entsprechenden Soldaten zu machen – die Absicht, den Platz mit dem Festzweck entsprechenden Dauerbauten zu versehen – sie hat ihm zu seinem Aufsehen erregenden Mädchenbilde gesessen – mit Rücksicht auf die Befähigten zu erteilende Ausbildung – das nationale Gefühl ist durch Jahrhunderte lange Trennung geschwächt – die beiden Täler werden von Steinforellen enthaltenden Bächen durchflossen – diese Konglomerate von kleinlichen, detaillierten Spezialforderungen anzupassenden Verwaltungsräumen – es traten sich mühsam mit der Gitarre begleitende Sängerinnen auf usw. In allen diesen Sätzen verbindet man im ersten Augenblicke falsch; im nächsten Augenblicke sieht man natürlich die richtige Verbindung, aber seinen Rippenstoß hat man weg.

Viele Druckseiten könnten hier mit Beispielen der verschiedensten Art gefüllt werden, die alle darauf hinauslaufen, daß der Leser beim ersten Lesen falsch versteht, an einer gewissen Stelle merkt, daß er falsch verstanden hat, und deshalb umkehren und das Gelesene gleichsam umdenken muß. Sehr häufig ist der Fall, daß dem Schreibenden bei einem Fürwort, einem Partizip, einem Adverb ein erst später folgendes Hauptwort oder Zeitwort vorschwebt, während es der Leser, der das nicht wissen kann, auf ein schon dagewesenes bezieht. Welche Störung dann! Da wird z. B. geschrieben: in Berlin gelang es Bandel nicht, festen Fuß zu fassen; mit der brutalen Deutlichkeit, die ihm eigen war, erklärte ihm Schadow usw. (hier wird jeder Leser ihm zunächst auf Bandel beziehen, während es auf Schadow gehen soll) – die Gedichte wurden meine Einführungsbriefe bei den Dichtern Münchens, die ich fast alle in diesen Jahren im Hause meines Vaters kennen lernte; als Glied des Leseausschusses, als Regisseur, als Träger der Heldenrollen und wahrlich nicht am wenigsten als einsichtsvoller und wohlwollender Berater, als ein in allen Stücken prächtiger Mann war er von den Herren gar eifrig gesucht (hier bezieht der Leser alle die schönen Prädikate des zweiten Satzes auf ich, bis er zuletzt merkt, daß sie sich auf er beziehen) – wie sehr unsre Landsleute am Vaterlande hängen, bewies die reiche Spende, die sie zum Bismarckdenkmal herübersandten. In herrlichem Gartengrün verborgen, umgeben von tropischer Blumenpracht, hat der deutsche Verein in Honolulu sein eignes Heim (hier versucht man, die Partizipia verborgen und umgeben zunächst auf Spende zu beziehen, bis man endlich merkt, daß sie zu Heim gehören sollen) – diese Idee kam von außen, aus der römisch gebildeten Umgebung des Königs und aus den Bedürfnissen des römischen Papsttums erwuchs sie (hier merkt man erst, daß man das zweite aus, und was darauf folgt, fälschlich mit kam verbunden hat) – obgleich ich nicht wußte, ob ich sitzen bleiben dürfte oder mich zurückziehen müßte, blieb ich doch sitzen. So sehr hatte mich die bewundernswerte Persönlichkeit des Grafen gefangen genommen, daß ich selbst die gewöhnlichsten Gesellschaftsregeln außer acht ließ (hier bezieht man so sehr zunächst auf das vorhergehende sitzen bleiben, es soll aber den kommenden Folgesatz vorbereiten) – das ist zum erstenmal der volle, unvergleichliche Beethoven; und angesichts dieser Stelle kann man es nur mit der Eile, mit der er schrieb, entschuldigen, daß Berlioz in dieser Sinfonie nur Haydnsche Musik gesehen hat (hier bezieht jeder Leser das er, womit Berlioz gemeint ist, zunächst auf Beethoven). Auch wenn geschrieben wird: diese Urkunden ändern das Bild, das man sich von jenen Sekten und von der zu ihrer Vertilgung eingesetzten Inquisition gemacht hatte, nicht wesentlich – die jetzige ritterschaftliche Vertretung besitzt in ihrer Mehrheit das nötige Verständnis für die Aufgaben ihrer Zeit nicht – Wien hat den Ruhm, unter allen deutschen Hauptstädten zuerst eine Pflegstätte für das musikalische Lustspiel, die idyllische, bürgerliche und lyrisch-romantische Oper zu besitzen, nicht lange genossen – so liegt derselbe Fehler vor. Daß Wien den Ruhm nicht lange genossen hat, erfährt der Leser zu spät; bis dahin hat er glauben müssen, es hätte ihn überhaupt.

Abzuhelfen ist solchen Anstößen, wie man sieht, auf die verschiedenste Weise, aber immer sehr leicht: ein denkender Schriftsteller wird sich überall schnell zu helfen wissen, sobald er nur – den Anstoß bemerkt. Aber das ist eben das schlimme, daß der Schriftsteller selber gewöhnlich solche Anstöße nicht bemerkt, nur der Leser bemerkt sie. Wie dem abzuhelfen sei? Vor allem dadurch, daß man sich beim Lesen dessen, was andre geschrieben haben, überall da, wo man hängen bleibt, darüber Rechenschaft gibt, warum man hängen bleibt, und dann dergleichen vermeidet. Man kann es darin bei einigem guten Willen sehr bald zu einer gewissen Fertigkeit bringen. Ein andres, sehr einfaches Mittel ist, daß man nichts naß in die Druckerei gibt, sondern alles, was man geschrieben hat, wenn auch nicht nonum in annum, so doch einige Tage lang beiseite legt und dann wieder vornimmt. In dieser Zwischenzeit ist es einem gewöhnlich so fremd geworden, daß man von all den Anstößen, die jeden andern Leser verletzen würden, selber verletzt wird, sie also noch rechtzeitig beseitigen kann.