Oft verwechselt werden jetzt von Hauptwörtern: Neuheit und Neuigkeit, Wirkung und Wirksamkeit, Folge und Erfolg, von Zeitwörtern: zeigen, zeichnen, bezeichnen und kennzeichnen, verlauten und verlautbaren u. a., von Adverbien: regelmäßig und in der Regel, anscheinend, scheinbar und augenscheinlich, voran und vorwärts, zumal und besonders.

Neuheiten liegen in dem Schaufenster des Modewarenhändlers; in dem des Buchhändlers liegen Neuigkeiten. Bis vor kurzem wenigstens ist dieser Unterschied stets beobachtet und von literarischen Erzeugnissen dasselbe Wort gebraucht worden wie von neuen Nachrichten: Neuigkeit. Es hat einen geistigern Inhalt als Neuheit, und die Schriftsteller sollten es sich verbitten, daß man ihre Erzeugnisse mit demselben Worte bezeichnet wie die des Schneiders.

Von der Wirksamkeit des Saxlehnerschen Bitterwassers zu reden ist ebenso verkehrt, wie zu sagen: diese Maßregel verliert auf die Dauer ihre Wirksamkeit. Der Pfarrer wirkt in seinem Amte, eine Maßregel wirkt vielleicht im Verkehr, und das Bitterwasser wirkt in den Gedärmen; aber nur der Pfarrer hat eine Wirksamkeit, die beiden andern haben eine Wirkung.

Ebenso sinnwidrig ist es von dem Erfolg zu knapper Mittel zu reden, statt von den Folgen, denn ein Erfolg ist etwas positives, erfreuliches, zu knappe Mittel sind etwas negatives, unerfreuliches.

Kennzeichnen ist sehr beliebt geworden, seitdem man es als Ersatz für das Fremdwort charakterisieren gebraucht. Es wird aber oft ganz gedankenlos verwendet. Wenn geschrieben wird: welche Stellung er zur Revolution einnahm, ist schon oben kurz gekennzeichnet worden – durch ihre Aussprüche kennzeichnen sie ihre Zugehörigkeit zur stillen Gemeinde – wir haben das Buch als das gekennzeichnet, was es ist: als eine Tendenzschrift – der ungeheure Verbrauch von Offizieren muß als ein Luxus gekennzeichnet werden – der Hauptraum, der als Halle oder Kapelle gekennzeichnet werden kann – die ganze Kläglichkeit der heutigen Handwerkspolitik hat Stieda trefflich gekennzeichnet – so liegt auf der Hand, daß in den ersten drei Sätzen zeigen (andeuten, verraten, nachweisen), in den zwei nächsten bezeichnen, in dem letzten einfach zeichnen (schildern) gemeint ist.

Verlauten ist ein intransitives Zeitwort und bedeutet: laut werden. Es verlautet etwas – heißt: man erzählt es, man spricht davon. Verlautbaren dagegen (ein entsetzliches Kanzleiwort!) ist transitiv und bedeutet: laut aussprechen, bekanntmachen. Ganz verkehrt ist es also, zu sagen: es verlautbart etwas.[155]

Sehr gern verwechselt werden auch erhalten und empfangen: er empfing die Nachricht, daß sein Freund bankrott sei – wenige Stunden später empfing Delbrück abermals ein Telegramm Bismarcks. Wenn man Besuch erhält, so kann man ihn natürlich auch empfangen, entweder freundlich oder höflich oder feierlich; aber Nachrichten, Briefe, Telegramme, Geld usw. erhält man, wenn es auch üblich ist, hinterher den richtigen Empfang anzuzeigen.

Falsch ist es auch, aber trotzdem sehr beliebt, reflexive Zeitwörter, wie: sich erheben, sich anschließen, ihres rückbezüglichen Fürworts zu berauben, sie als Intransitiva zu behandeln und zu schreiben: ein Festaktus in der Aula mit anschließendem Rundgange durch das Gebäude – die Versammlung bezeugte ihre Teilnahme durch Erheben von den Plätzen. Man erhebt sich, oder einfach: man – steht auf!

Regelmäßig ist dasselbe wie immer; in der Regel aber ist nicht dasselbe wie immer. Wer regelmäßig früh um fünf Uhr aufsteht, leistet mehr, als wer es bloß in der Regel tut. Die Regel leidet eine Ausnahme, die Regelmäßigkeit leidet keine.

Wenn eine Zeitung schreibt: die Herren verlebten einen scheinbar ganz köstlichen Abend – so ist das etwas ganz andres, als was der Zeitungschreiber sagen will. Mit scheinbar wird ein Anschein gleich für falsch erklärt, mit augenscheinlich wird er gleich für richtig erklärt, mit anscheinend wird gar kein Urteil ausgesprochen. Er verzichtet scheinbar auf einen Gewinn – heißt: in Wahrheit ist er ganz gierig darnach; er verzichtet anscheinend – heißt: es kann sein, daß er verzichtet, es kann auch nicht sein; er verzichtet augenscheinlich – heißt: er verzichtet offenbar.