Seine frühesten Erinnerungen versetzten Bouvard auf den Hof eines Pachtgutes an den Ufern der Loire. Ein Mann, der sein Onkel war, hatte ihn nach Paris gebracht, damit er den Handel erlerne. Als er großjährig war, zahlte man ihm einige tausend Franken aus. Da hatte er sich eine Frau genommen und einen Zuckerwarenladen eröffnet. Sechs Monate später verschwand seine Gattin, wobei sie die Kasse mit sich nahm. Die Freunde, das gute Leben und seine Faulheit hatten den Ruin bald vollständig gemacht. Doch er hatte die Eingebung, seine schöne Hand zu benutzen; und seit zwölf Jahren hielt er sich in derselben Stellung bei den Herren Gebrüder Descambos, Stoffe, Rue Hautefeuille Nr. 92. Was seinen Onkel anging, der ihm vor Zeiten besagtes Bild zur Erinnerung hatte zugehen lassen, so kannte er nicht einmal dessen Aufenthaltsort und erwartete nichts mehr von ihm. Fünfzehnhundert Franken Rente und sein Einkommen als Schreiber erlaubten ihm, jeden Abend einen Nicker in einer Kneipe zu machen.
So hatte ihr Zusammentreffen die Bedeutung eines Abenteuers gehabt. Sie hatten sich sogleich mit geheimen Fibern aneinander festgehakt. Wie übrigens die Zuneigung erklären? Warum bezaubert bei dem einen diese Eigenheit, jene Unvollkommenheit, die bei dem andern gleichgültig oder hassenswert ist? Was man den zündenden Blitz zu nennen pflegt, gilt für alle Leidenschaften. Bevor die Woche zu Ende war, duzten sie sich.
Oft suchten sie einander in ihren Kontoren auf. Sobald der eine erschien, schloß der andere sein Pult, und sie gingen zusammen auf die Straße hinab. Bouvard machte große Schritte, während Pécuchet, der die seinigen verdoppelte und dem der Rock auf die Fersen schlug, dahin zu rollen schien. Ebenso standen ihre besonderen Neigungen miteinander im Einklang. Bouvard rauchte Pfeife, liebte den Käse und trank regelmäßig seine kleine Tasse Kaffee. Pécuchet schnupfte, aß zum Nachtisch nur Eingemachtes und tauchte ein Stückchen Zucker in seinen Kaffee. Der eine war vertrauensselig, unbesonnen, großherzig; der andere verschwiegen, nachdenklich, sparsam.
Um Pécuchet ein Vergnügen zu machen, wollte Bouvard ihn mit Barberou bekannt machen. Das war ein ehemaliger Handlungsreisender, gegenwärtig Börsenspekulant, ein gutherziger Junge, Patriot, Damenfreund, der die Sprechweise des Faubourg nachzuahmen suchte. Pécuchet fand ihn unangenehm, und er führte Bouvard zu Dumouchel. Dieser Autor (er hatte nämlich eine kleine Mnemotechnik veröffentlicht) gab Literaturstunden in einem Pensionat für junge Mädchen, hatte orthodoxe Anschauungen und ein sehr ernstes Benehmen. Er langweilte Bouvard.
Keiner hatte dem andern seine Meinung vorenthalten. Jeder erkannte die Richtigkeit der des anderen an. Ihre Gewohnheiten änderten sich, sie gaben ihren bürgerlichen Mittagstisch auf und speisten schließlich alle Tage zusammen.
Sie stellten Betrachtungen über die Theaterstücke an, von denen man sprach, über die Regierung, über die hohen Lebensmittelpreise, über die Betrügereien im Handel. Von Zeit zu Zeit erschien die Halsbandgeschichte oder der Prozeß Fualdès in ihren Unterhaltungen; und dann suchten sie nach den Ursachen der Revolution.
Sie schlenderten an den Trödlerläden entlang. Sie besuchten das Conservatoire des Arts et Métiers, Saint-Denis, die Gobelinwebereien, den Invalidendom und alle öffentlichen Sammlungen.
Wenn man ihnen ihren Paß abverlangte, so taten sie, als hätten sie ihn verloren, indem sie sich für zwei Fremde, zwei Engländer, ausgaben.