Nichtsdestoweniger war er von Genoude begeistert, denn er fand es geistvoll, die beiden Enden der französischen Geschichte miteinander zu verknüpfen, so daß die Mitte Füllwerk ist, — und um darüber ins klare zu kommen, griffen sie zu der Sammlung Buchez und Roux.
Doch der Schwulst der Vorreden, diese Verquickung von Sozialismus und Katholizismus widerte sie an; die zu zahlreichen Einzelheiten hinderten sie an einem Gesamtüberblick.
Sie nahmen ihre Zuflucht zu Herrn Thiers.
Es war im Sommer des Jahres 1845; sie saßen in der Laube im Garten. Pécuchet, der eine kleine Bank unter den Füßen hatte, las laut mit seiner tiefen Stimme, ohne müde zu werden, und hielt nur ein, um mit den Fingern in seine Tabakdose zu greifen. Bouvard lauschte ihm, die Pfeife im Munde, die Beine auseinandergestreckt; oben an seiner Hose war ein Knopf geöffnet.
Greise hatten ihnen von 93 erzählt, — und beinahe persönliche Erinnerungen belebten die platten Beschreibungen des Verfassers. Zu jener Zeit waren die Landstraßen voll von Soldaten, welche die Marseillaise sangen. Auf den Türschwellen sitzend, nähten Frauen Zelte aus Leinwand. Manchmal nahte ein Schwarm von Leuten in roter Mütze, auf der Spitze einer Pike ein blasses Haupt neigend, dessen Haar herabging. Die hohe Tribüne des Konvents erschien über einer Staubwolke, in der wütende Gesichter Todesverwünschungen ausstießen. Kam man um die Mitte des Tages am Tuilerien-Bassin vorbei, so hörte man das Fallbeil der Guillotine, das wie die Stöße eines Rammklotzes dröhnte.
Und die Brise bewegte die Weinblätter der Laube, die reife Gerste wogte in Zwischenräumen, eine Drossel pfiff. Während sie ihre Blicke um sich schweifen ließen, sogen sie diesen Frieden ein.
Wie schade, daß man es gleich zu Anfang an gegenseitigem Verständnis hatte fehlen lassen. Denn hätten die Royalisten wie die Patrioten gedacht, hätte der Hof mehr Aufrichtigkeit gezeigt und die Gegner weniger Ungestüm, so wäre viel Unglück vermieden!
Durch das viele Schwatzen darüber gerieten sie in Leidenschaft. Bouvard, Freigeist und Empfindungsmensch, war Anhänger der Konstitution, Girondist, Thermidorianer. Pécuchet, gallig und zur Herrschsucht neigend, gab sich als Sansculotte und selbst als Anhänger Robespierres zu erkennen.
Er billigte die Verurteilung des Königs, die gewaltsamsten Beschlüsse, den Kult des höchsten Wesens. Bouvard zog den der Natur vor. Er würde mit Vergnügen das Bild einer dicken Frau gegrüßt haben, die aus ihren Brüsten ihren Anbetern kein Wasser, sondern edlen Burgunder spendete.
Um ihre Argumente durch mehr Tatsachen stützen zu können, verschafften sie sich andere Werke: Montgaillard, Prudhomme, Gallois, Lacretelle und so weiter; und die Widersprüche dieser Bücher setzten sie durchaus nicht in Verlegenheit. Jeder entnahm ihnen, was er zur Verteidigung seiner Ansicht brauchte.