Aber der Poststempel, der Name des Bureaus in Druckschrift, die Unterschrift des Notars, alles bewies die Echtheit der Nachricht; — und sie schauten einander an, während ihre Mundwinkel zitterten und eine Träne aus ihren starren Augen floß.
Es wurde ihnen zu enge. Sie gingen bis zum Triumphbogen, kehrten am Wasser entlang zurück, ließen Notre-Dame hinter sich. Bouvard war sehr rot. Er gab Pécuchet Püffe in den Rücken, und fünf Minuten lang redete er närrisches Zeug.
Sie grinsten wider Willen. Diese Erbschaft mußte sich sicherlich belaufen auf...
„Ach, das wäre zu schön! Sprechen wir nicht mehr davon.“
Sie sprachen wieder davon. Nichts hinderte sie, sogleich genaueren Aufschluß darüber zu verlangen. Bouvard schrieb dieserhalb an den Notar.
Der Notar schickte eine Abschrift des Testamentes, welches so schloß:
„Demzufolge vermache ich François Denys Bartholomée Bouvard, den ich als meinen unehelichen Sohn anerkenne, den Teil meiner Güter, der gesetzlich verfügbar bleibt.“
Der Biedermann hatte diesen Sohn in seiner Jugend gehabt, aber er hatte ihn sorgfältig beiseite gehalten und für seinen Neffen ausgegeben. Und der Neffe hatte ihn immer Onkel genannt, obgleich er wußte, worum es sich handelte. Gegen sein vierzigstes Jahr hatte Herr Bouvard sich verheiratet, dann war er Witwer geworden. Da seine beiden legitimen Söhne nicht nach seinen Wünschen geraten waren, hatten ihn Gewissensbisse gepackt über die Verlassenheit, in der er sein uneheliches Kind so viele Jahre gelassen hatte. Ohne den Einfluß seiner Köchin hätte er es sogar zu sich genommen. Dank dem geschickten Vorgehen der Familie verließ sie ihn, und in seiner Vereinsamung wollte er, dem Tode nahe, sein Unrecht wieder gutmachen, indem er der Frucht seiner ersten Liebe von seinem Vermögen alles vermachte, worüber er verfügen konnte. Es belief sich auf eine halbe Million, was für den Schreiber zweihundertfünzigtausend Franken ausmachte. Der ältere der Brüder, Herr Etienne, hatte sich dahin geäußert, er werde das Testament anerkennen.
Bouvard verfiel in eine Art stumpfsinnigen Brütens. Er wiederholte mit leiser Stimme, während er mit dem friedlichen Lächeln der Trunkenen lächelte: „Fünfzehntausend Franken Rente!“ — und Pécuchet, dessen Kopf doch klarer war, konnte nicht darüberkommen.