Sie wurden durch einen Brief Tardivels unerwartet aufgerüttelt. Der zweite Sohn, Herr Alexander, erklärte die Absicht, alles gerichtlich regeln und sogar das Vermächtnis, wenn möglich, anfechten zu wollen, wobei er vor allem Versiegelung, Aufnahme, Ernennung eines Sachwalters und so weiter forderte! Bouvard bekam eine Affektion der Galle davon.
Kaum war er wieder auf der Besserung, so fuhr er nach Savigny, von wo er, ohne etwas ausgerichtet zu haben und mit Kummer über die Reisekosten, zurückkehrte.
Dann folgte eine Zeit der Schlaflosigkeit; er schwankte zwischen Zorn und Hoffnung, Aufregung und Niedergeschlagenheit. Endlich beruhigte sich Herr Alexander nach Verlauf von sechs Monaten, und Bouvard trat den Besitz der Erbschaft an.
Sein erster Ausruf war gewesen: „Wir werden uns aufs Land zurückziehen!“ — und dieses Wort, das seinen Freund in sein Glück einschloß, hatte Pécuchet ganz selbstverständlich gefunden. Denn der Bund dieser beiden Männer war vollständig und ging bis in die Tiefe.
Aber da er sich nicht von Bouvard ernähren lassen wollte, würde er nicht vor seiner Pensionierung den Dienst verlassen. Zwei Jahre noch! Gleichviel! Er blieb unbeugsam, und es war beschlossene Sache.
Um herauszufinden, wo man sich niederlassen könnte, gingen sie alle Provinzen durch. Der Norden war fruchtbar, aber zu kalt; der Süden bezauberte durch sein Klima, hatte aber sein Unangenehmes, wenn man die Stechmücken in Betracht zog; und das Zentrum bot, offen gesagt, nichts Interessantes. Die Bretagne würde ihnen ohne die Frömmelei ihrer Bewohner zugesagt haben. Was die östlichen Gegenden anlangte, so war wegen des germanischen Dialekts nicht daran zu denken. Doch es gab andere Landstriche. Wie war es zum Beispiel mit der Gegend von Forez, von Bugey, von Roumois? Die geographischen Karten gaben keine Auskunft darüber. Was tat es übrigens, ob ihr Haus an diesem oder jenem Orte stehen würde, die Hauptsache war, daß sie eins haben würden.
Sie sahen sich schon in Hemdsärmeln am Rande eines Beetes, wie sie Rosenstöcke beschnitten, die Erde umgruben, rajolten, bearbeiteten, Tulpen aus ihren Töpfen in die Erde setzten. Sie würden beim Schlag der Lerche erwachen, um dem Pfluge zu folgen, mit einem Korbe zum Äpfelpflücken gehen, zuschauen, wie die Butter bereitet, das Korn gedroschen, die Schafe geschoren, die Bienen versorgt wurden, und sie würden sich am Brüllen der Kühe und dem Duft des Heus erfreuen. Keine Schreibarbeit mehr! Keine Vorgesetzten! Nicht einmal mehr Miete zu zahlen! Denn sie würden eine eigene Behausung besitzen! — Und sie würden die Hühner ihres Hofes, die Gemüse ihres Gartens essen, — und sie würden ihre Mahlzeit einnehmen, während sie die Holzschuhe anbehielten! — „Wir werden ganz leben, wie es uns gefällt! Wir werden uns den Bart wachsen lassen!“
Sie kauften sich Garteninstrumente, dann einen Haufen Sachen, „die vielleicht dienlich sein könnten,“ wie einen Werkzeugkasten (ein solcher gehört immer in ein Haus), dann Wagen, eine Feldmesserkette, eine Badewanne, für den Fall, daß sie krank würden, ein Thermometer, und sogar ein Barometer, „System Gay-Lussac“, um physikalische Beobachtungen zu machen, wenn die Lust dazu sie anwandeln sollte. Es wäre auch nicht übel (denn man kann nicht immer draußen arbeiten), einige gute literarische Werke zu besitzen, — und sie suchten darnach — oft in großer Verlegenheit, ob das betreffende Buch wirklich „ein Buch für eine Bibliothek“ sei. Bouvard entschied die Frage.
„Na, wir werden keine Bibliothek nötig haben!“
„Zudem habe ich die meinige,“ sagte Pécuchet.