Sie lernten die berühmtesten Dialoge aus Racine und Voltaire auswendig, und sie sagten sie im Hausflur her. Gerade wie im Théâtre Français ging Bouvard, die Hand auf Pécuchets Schulter gelegt, indem er von Zeit zu Zeit stehen blieb, und er breitete, die Augen rollend, die Arme aus, klagte das Schicksal an. Er hatte im „Philoktet“ von La Harpe wundervolle Schmerzensschreie, in „Gabrielle von Vergy“ ein reizendes Schluchzen, und wenn er Dionys, den Tyrannen von Syrakus, darstellte, hatte er eine Art, seinen Sohn anzusehen, wenn er ihn: „Ungeheuer, meiner würdig!“ anredete, die wirklich schrecklich war. Pécuchet geriet darüber aus seiner Rolle. Die Mittel fehlten ihm, nicht der gute Wille.

Einmal kam ihm in der „Kleopatra“ von Marmontel der Gedanke, das Zischen der Natter wiederzugeben, so wie es der zu dem Zwecke von Vaucanson erfundene Automat hatte hervorbringen müssen. Es mißlang, und der verunglückte Versuch gab ihnen bis zum Abend zu lachen. Die Tragödie sank in ihrer Achtung.

Bouvard war ihrer zuerst müde, und indem er mit Freimut darüber sprach, zeigte er, wie künstlich und hinkend sie sei, wie dumm ihre Mittel und wie lächerlich die Vertrauten.

Sie machten sich an die Komödie, die Schule der feinen Nuancen. Man muß die Sätze zergliedern, die einzelnen Worte hervorheben, die Silben wägen. Pécuchet konnte nicht damit fertig werden und scheiterte vollständig in „Célimène“.

Zudem fand er die Liebenden sehr kühl, die Klugschwätzer langweilig, die Diener unausstehlich, Clitander und Sganarelle ebenso falsch wie Ägisth und Agamemnon.

Blieb die ernste Komödie oder bürgerliche Tragödie, in der man trostlose Familienväter, Diener, die ihre Herren retten, Reiche, die ihr Vermögen verschenken, unschuldige Näherinnen und elende Verführer sieht, ein Genre, das sich von Diderot bis zu Pixérécourt fortsetzt. Alle diese Tugend predigenden Stücke stießen sie durch ihre Trivialität ab.

Das Drama von 1830 entzückte sie durch seine Bewegung, seine Farbe, seine Jugendfrische.

Sie machten durchaus keinen Unterschied zwischen Victor Hugo, Dumas oder Bouchardy, und die Sprache durfte nicht mehr pomphaft oder fein, sondern mußte lyrisch, regellos sein.

Als Bouvard eines Tages versuchte, Pécuchet das Spiel Frédéric Lemaîtres beizubringen, erschien plötzlich Frau Bordin in ihrem grünen Schal, einen Band Pigault-Lebrun in der Hand, den sie zurückbrachte, denn die Herren hatten die Gefälligkeit, ihr zuweilen Romane zu leihen.