Dann besichtigten sie die Spaliere. Pécuchet suchte Knospen zu entdecken. Zuweilen rannte plötzlich eine Spinne an der Mauer davon, und die beiden Schatten ihrer Körper zeichneten sich in Vergrößerung darauf und wiederholten ihre Bewegungen. Die Spitzen der Gräser troffen von Tau. Die Nacht war vollständig schwarz, und alles lag regungslos in tiefem Schweigen, in tiefem Wohlsein. In der Ferne krähte ein Hahn.

Ihre beiden Zimmer hatten eine kleine Verbindungstür, die von der Tapete verdeckt war. Soeben waren dadurch, daß man mit einer Kommode dagegen stieß, die Nägel herausgesprungen. Sie fanden sie offen stehend. Das war eine Überraschung.

Schon entkleidet und im Bett, schwatzten sie noch einige Zeit; dann schliefen sie ein, Bouvard auf dem Rücken, mit offenem Munde und bloßem Kopf; Pécuchet auf der rechten Seite, die Knie an den Unterleib gezogen, in eine wollene Nachtmütze gehüllt; und alle beide schnarchten im Mondenlicht, das durch die Fenster fiel.

II

Welche Freude am folgenden Tage beim Erwachen! Die Pfeife, die Bouvard rauchte, und die Prise, die Pécuchet nahm, erklärte ein jeder für die beste seines Lebens. Dann setzten sie sich ins Fenster, um die Aussicht zu betrachten.

Geradeaus hatte man die Felder vor sich, zur Rechten eine Scheune, daneben den Kirchturm; und zur Linken eine Wand von Pappeln.

Zwei Hauptalleen, die ein Kreuz bildeten, zerlegten den Garten in vier Teile. Die Gemüse standen auf den Langbeeten, wo in Abständen Zwergzypressen und spindelförmig geschnittene Obstbäume aufragten. Auf der einen Seite endete ein Laubengang auf einen Schneckenberg; auf der andern stützte eine Mauer die Spaliere; und ein Gitter schloß hinten den Garten gegen die Felder ab. Jenseits der Mauer war ein Obstgarten, hinter dem Laubengang ein kleiner Hain; hinter dem Gitter ein schmaler Pfad.

Das alles betrachteten sie, als ein Mann mit ergrautem Haar in einem schwarzen Überzieher auf dem Fußwege ging, wobei er mit seinem Stock an sämtlichen Stäben des Gitters entlang fuhr. Die alte Dienerin teilte ihnen mit, es sei Herr Vaucorbeil, ein berühmter Arzt des Ortes.

Die übrigen Honoratioren seien: der Graf von Faverges, der früher Abgeordneter war und dessen Kuhställe berühmt wären; der Bürgermeister, Herr Foureau, der Holz, Gips und sonst noch alles mögliche verkaufte; der Notar, Herr Marescot; der Abbé Jeufroy und die verwitwete Frau Bordin, die von ihren Zinsen lebte. — Was sie selbst anbetraf, so nannte man sie Frau Germaine, nach ihrem verstorbenen Gatten Germain; sie ging tageweise in Arbeit, würde aber bereit sein, ganz in den Dienst der Herren zu treten. Sie nahmen sie und machten sich auf den Weg nach ihrem Pachthof, der in einer Entfernung von einem Kilometer gelegen war.

Als sie in den Gutshof traten, schalt der Pächter, Meister Gouy, einen Knecht aus, und die Pächtersfrau saß auf einem Schemel und hatte einen Puter fest zwischen den Beinen, den sie mit Mehlklößen stopfte. Der Mann hatte eine niedrige Stirn, eine feine Nase, einen versteckten Blick und kräftige Schultern. Die Frau war sehr blond, hatte Sommersprossen auf den Backen und hatte jenen Anstrich von Einfalt, den die ländlichen Gestalten auf den Kirchenfenstern zeigen.