Die Bewegung und das Ungewohnte der Reise beschäftigten ihn während der ersten Stunden. Dann verlangsamten die Pferde ihren Schritt, was einen Wortwechsel mit dem Wagenführer und dem Fuhrmann zur Folge hatte. Sie suchten fürchterliche Herbergen auf, und obwohl sie die Verantwortung für alles trugen, übernachtete Pécuchet aus übertriebener Vorsicht doch in denselben Schlafstätten.

Am folgenden Tage ging es mit der Morgenröte weiter; und immer dehnte sich die gleiche Straße bis zum Rande des Horizontes empor. Ein Steinhaufen folgte auf den andern, die Gräben waren voll Wasser, das Gelände breitete sich in großen Flächen von eintönigem und kaltem Grün aus, Wolken zogen am Himmel, von Zeit zu Zeit fiel Regen. Am dritten Tage erhoben sich plötzliche Windstöße. Die schlecht befestigte Wagendecke klatschte im Winde wie das Segel eines Schiffes. Pécuchet duckte seinen Kopf unter seiner Mütze, und jedesmal, wenn er seine Tabakdose öffnete, mußte er, um sich die Augen zu schützen, sich vollständig umwenden. An den holprigen Stellen hörte er hinter sich sein ganzes Gepäck schwanken und ließ es nicht an guten Ermahnungen fehlen. Da er sah, daß sie nutzlos waren, änderte er seine Taktik; er spielte den Liebenswürdigen, zeigte Gefälligkeiten, bei schwierigen Aufstiegen schob er mit den Leuten am Rade; er ging so weit, ihnen nach dem Essen den Kaffee zu bezahlen. Von da an kamen sie schneller von der Stelle, wodurch in der Gegend von Gauburge die Achse brach und der Wagen, auf die Seite geneigt, stehen blieb. Pécuchet untersuchte sogleich das Innere; die Porzellantassen lagen in Scherben. Er erhob die Arme, mit den Zähnen knirschend, und verwünschte diese beiden Dummköpfe; und der folgende Tag ging verloren, weil der Fuhrmann sich betrank; doch Pécuchet hatte nicht die Kraft zu klagen; der Kelch des Leidens war voll.

Bouvard hatte Paris erst den zweitnächsten Tag verlassen, um noch einmal mit Barberou zusammen speisen zu können. Er kam erst in der letzten Minute auf den Posthof, wachte dann in Rouen vor der Kathedrale wieder auf; er hatte die falsche Post genommen.

Am Abend waren alle Plätze nach Caen vorherbestellt; da er nicht wußte, was er anfangen sollte, ging er ins Theatre des Arts, und er lächelte seinen Nachbarn zu und erzählte ihnen dabei, daß er sich vom Geschäft zurückgezogen habe und seit kurzem im Besitz eines Gutes in der Umgebung sei. Als er am Freitag in Caen landete, waren seine Frachtstücke noch nicht da. Er empfing sie am Sonntag und sandte sie auf einem Karren weiter, nachdem er den Pächter benachrichtigt hatte, daß er in einigen Stunden nachkommen würde.

In Falaise, am neunten Tage der Reise, nahm Pécuchet ein Aushilfspferd, und bis zum Sonnenuntergang kam man gut vorwärts. Nachdem er jenseits von Bretteville die Landstraße verlassen hatte, geriet er auf einen Richtweg und glaubte jeden Augenblick den Giebel von Chavignolles zu sehen. Indessen wurden die Wagenspuren undeutlicher; sie verschwanden ganz, und sie befanden sich mitten in bebauten Feldern. Die Nacht brach an. Was sollte werden? Endlich ließ Pécuchet den Wagen stehen, und durch den Schmutz watend, ging er auf die Suche. Wenn er sich den Gehöften näherte, bellten die Hunde. Er schrie aus Leibeskräften, um den Weg zu erfahren. Keine Antwort. Er hatte Furcht und lief davon. Plötzlich glänzten zwei Laternen auf. Er bemerkte ein Gefährt und stürzte darauf zu, um es einzuholen. Bouvard saß darin.

Doch wo konnte der Möbelwagen sein? Eine Stunde lang riefen sie danach in der Dunkelheit. Endlich fand er sich wieder, und sie gelangten nach Chavignolles.

Ein großes Feuer aus Reisig und Fichtenzapfen flammte im Saale. Zwei Gedecke waren aufgelegt. Die auf dem Karren angelangten Möbel füllten die Vorhalle. Nichts fehlte. Man setzte sich zu Tisch.

Man hatte ihnen Zwiebelsuppe, ein Huhn, Speck und harte Eier gemacht. Die alte Frau, die das Essen zubereitete, kam von Zeit zu Zeit, um sich zu vergewissern, wie es ihnen schmecke. Sie antworteten: „O! sehr gut! sehr gut!“, und das grobe Brot, das sich schlecht schneiden ließ, die Sahne, die Nüsse, alles mundete ihnen herrlich. Der Steinfußboden zeigte Löcher, die Mauern waren feucht. Indessen ließen sie ihre Blicke befriedigt umherschweifen, während sie an dem kleinen Tische aßen, auf dem eine Kerze brannte. Ihre Gesichter waren von der frischen Luft gerötet. Sie streckten ihre Bäuche vor. Sie lehnten sich kräftig gegen die Lehnen ihrer Stühle, die davon krachten, und sie wiederholten: „Da wären wir also! Welch eine Wohltat! Es kommt mir vor wie ein Traum!“

Obgleich es Mitternacht war, kam Pécuchet auf den Gedanken, einen Gang durch den Garten zu machen. Bouvard hatte nichts dagegen. Sie nahmen das Licht, und während sie es mit einer alten Zeitung vor der Zugluft schützten, gingen sie an den Beeten entlang. Es machte ihnen Vergnügen, die Gemüse laut zu benennen: „Sieh da, Mohrrüben! Ah, Kohl!“