VIII

Von ihrer Lebensweise befriedigt, wollten sie ihr körperliches Befinden durch Turnen verbessern.

Und sie griffen zu dem Handbuch von Amoros und sahen die Illustrationen durch.

Alle diese jungen Kerle, die kauerten, sich nach hinten bogen, die Knie beugten, die Arme streckten, die Faust ballten, Gewichte hoben, auf Balken ritten, an Leitern emporkletterten, an Trapezen sich schwangen, diese ganze Entfaltung von Kraft und Geschicklichkeit erregte ihren Neid.

Zudem erfüllte sie die Pracht der Turnhalle, die im Vorwort beschrieben wird, mit Kummer. Denn nie würden sie sich einen Vorsaal für die Geräte, ein Hippodrom für die Wettläufe, ein Bassin zum Schwimmen, noch einen „Ruhmesberg“, einen künstlichen Hügel leisten können, der zweiunddreißig Meter Höhe hätte.

Ein hölzernes Pferd zum Üben wäre wegen der Polsterarbeiten kostspielig gewesen; sie verzichteten darauf; die gefällte Linde im Garten diente ihnen als Schwebebaum; und als sie gewandt genug waren, ihn von einem Ende bis zum andern abzulaufen, pflanzten sie, um eine senkrechte Stange zu besitzen, einen der Pfosten der Spaliere in den Boden. Pécuchet erklomm sie bis zur Spitze. Bouvard glitt, fiel stets zurück und verzichtete schließlich darauf.

Die „orthosomatischen Stäbe“ sagten ihm mehr zu, das heißt zwei Besenstiele, die durch zwei Stricke verbunden waren, von denen der erste unter den Achseln durchgeht, der zweite über den Handgelenken liegt; — und ganze Stunden lang behielt er diesen Apparat an, das Kinn erhoben, die Brust herausgestreckt, die Arme am Leib entlang.

Als Ersatz für Hanteln mußte ihnen der Stellmacher vier Stücke aus Eschenholz drechseln, die Zuckerhüten glichen, welche in einen Flaschenhals auslaufen. Man muß diese Keulen nach rechts und links, nach vorn und hinten schwingen; doch da sie zu schwer waren, entglitten sie ihren Fingern und hätten ihnen leicht die Beine zerschlagen können. Gleichviel, sie waren von ihren „persischen Mils“ begeistert, und sie rieben sie sogar jeden Abend mit Wachs und einem Stück Zeug, da sie fürchteten, sie möchten zerspringen.

Darauf suchten sie Gräben auf. Hatten sie einen ihnen zusagenden gefunden, so stützten sie eine lange Stange hinein, stießen mit dem linken Fuß ab, erreichten den anderen Rand, und fingen wieder von neuem an. Da das Gelände flach war, sah man sie von weither, — und die Dörfler fragten sich, was das für zwei sonderbare Gestalten seien, die am Horizont herumsprangen.

Als der Herbst gekommen war, machten sie sich an die Zimmergymnastik; sie langweilte sie. Wie schade, daß sie nicht einen Schaukelstuhl oder Postsessel hatten, wie ihn unter Ludwig XIV. der Abbé von Saint-Pierre erdacht hatte. Wie war er konstruiert, wo konnte man sich darüber unterrichten? Dumouchel ließ sich nicht einmal zu einer Antwort herbei.