Sie hatten ein Zimmer mit zwei Betten, zwei Kommoden, die zwei in kleinen, ovalen Waschbecken stehende Wasserkannen trugen, und der Wirt belehrte sie, daß dies das „Zimmer der Kapuziner“ unter der Schreckensherrschaft gewesen sei. Man hatte darin die Jungfrau von la Délivrande mit so viel Vorsicht verborgen, daß die guten Patres darin heimlich die Messe lasen.
Das machte Pécuchet Vergnügen, und er las laut einen Bericht über die Kapelle, den er unten in der Küche gefunden hatte.
Sie ist im Anfang des zweiten Jahrhunderts von dem heiligen Regnobert, dem ersten Bischof von Lisieux, oder von dem heiligen Ragnebert, der im siebenten Jahrhundert lebte, oder von Robert dem Prachtliebenden in der Mitte des elften gegründet worden.
Die Dänen, die Normannen und besonders die Protestanten haben sie zu verschiedenen Zeiten gebrandschatzt und verwüstet.
Gegen 1112 wurde die ursprüngliche Statue durch einen Hammel entdeckt, der mit dem Fuße aufstampfte und dadurch auf einem Anger den Ort angab, wo sie lag, und an dieser Stelle errichtete der Graf Balduin ein Heiligtum.
Ihre Wunder sind ohne Zahl. Ein Kaufmann aus Bayeux, der in sarazenischer Gefangenschaft war, rief sie an: seine Ketten fallen und er entschlüpft. Ein Geizhals entdeckt in seinem Speicher eine Herde Ratten, ruft die Jungfrau zu Hilfe, und die Ratten entfernen sich. Ein alter Materialist in Versailles bereute seine Sünden auf dem Totenbette, nachdem er mit einer Medaille in Berührung gekommen war, die eine Nachbildung der Statue gestreift hatte. — Sie gab dem Herrn Adeline die Sprache wieder, die er infolge von Gotteslästerungen verloren hatte; und unter ihrem Schutz hatten Herr und Frau von Becqueville die Kraft, im Ehestande keusch zu leben.
Unter denjenigen, die sie von unheilbaren Krankheiten befreit hat, nennt man Fräulein von Palfresne, Anne Lirieux, Marie Duchemin, François Dufai und Frau von Jumillac, geborene von Osseville.
Bedeutende Persönlichkeiten haben sie aufgesucht: Ludwig XI., Ludwig XIII., zwei Töchter Gastons von Orleans, der Kardinal Wiseman, Samirrhi, der Patriarch von Antiochien; der Bischof Véroles, der apostolische Vikar der Mandschurei; und der Erzbischof von Quélen kam, ihr für die Bekehrung des Fürsten von Talleyrand Dank zu sagen.
„Sie könnte dich auch bekehren!“ sagte Pécuchet.
Bouvard, der schon im Bette lag, gab eine Art Grunzen von sich und schlief vollends ein.