Am nächsten Morgen um sechs Uhr gingen sie in die Kapelle.
Man war beim Neubau einer zweiten; Leinwand und Bretterverschläge sperrten das Schiff ab, und das im Rokokostil gehaltene Bauwerk mißfiel Bouvard, besonders der Altar aus rotem Marmor mit seinen korinthischen Pilastern.
Die Wunder wirkende Statue stand in einer Nische links im Chor, mit einem Flittergewande umhüllt; der Küster kam, er hatte für jeden von ihnen eine Kerze. Er steckte sie auf eine Art Egge, die über der Balustrade angebracht war, verlangte drei Franken, machte eine Verbeugung und verschwand.
Dann betrachteten sie die Weihgeschenke.
Inschriften auf Tafeln bezeugten die Dankbarkeit der Gläubigen. Man bewundert zwei kreuzweise übereinandergelegte Degen, die ein ehemaliger Schüler der Polytechnischen Hochschule geschenkt hat, Brautbuketts, Kriegsmedaillen, silberne Herzen und in einem Winkel am Boden einen Wald von Krücken.
Aus der Sakristei trat ein Priester, der das Gefäß mit der heiligen Hostie trug.
Nachdem er einige Minuten unten vor dem Altar verweilt hatte, stieg er die drei Stufen empor, sprach das Oremus, den Introitus und das Kyrie, das der Chorknabe kniend in einem Atem hersagte.
Der Teilnehmer waren wenige, zwölf bis fünfzehn alte Weiber. Man hörte das Klappern ihrer Rosenkränze und das Geräusch eines Hammers, der gegen die Steine klopfte. Pécuchet, der sich über seinen Betstuhl neigte, antwortete auf die Amen. Während der Verwandlung flehte er zur Mutter Gottes, sie möge ihm beständigen und unwandelbaren Glauben geben.
Bouvard, der in einem Stuhle neben ihm saß, nahm Pécuchets Gebetbuch und verweilte bei der Litanei der Jungfrau.
„Du Allerreinste, Du Allerkeuscheste, Ehrwürdige, Liebenswerte, Mächtige, Gütige, elfenbeinerner Turm, goldenes Haus, Tor des Morgens.“