Doch er wußte, daß die Welt für uns geschaffen ist; er wußte, daß die Erzengel über den Engeln stehen, er wußte, daß der menschliche Körper so wiederauferstehen wird, wie er gegen das dreißigste Jahr ist.

Seine priesterliche Sicherheit fiel Bouvard auf die Nerven. Da er zu Louis Hervieu kein Vertrauen hatte, schrieb er an Varlot, und Pécuchet, der besser unterrichtet war, ersuchte Herrn Jeufroy, ihm gewisse Stellen der Heiligen Schrift zu erklären.

Die sechs Tage der Genesis sollen sechs große Zeiträume bedeuten. Der Raub der kostbaren Gefäße, den die Juden bei den Ägyptern vollführten, soll als geistiger Reichtum verstanden werden, als Kunst, deren Geheimnis sie entwendet hatten. Jesaias entblößt sich nicht vollständig, denn „nudus“ bedeutet im Lateinischen nackt bis zu den Hüften; so rät Virgil, sich bei der Landarbeit zu entblößen, und dieser Schriftsteller würde keine das Schamgefühl verletzende Vorschrift gegeben haben! Es hat nichts Außergewöhnliches, daß Ezechiel ein Buch verschlingt; sagt man nicht, eine Broschüre, eine Zeitung verschlingen?

Aber wenn man in allem eine bildliche Ausdrucksweise sieht, was wird dann aus den Tatsachen? Der Abbé behauptete indessen, es handele sich um wirklich geschehene Dinge.

Diese Art der Auslegung schien Pécuchet unredlich. Er setzte seine Nachforschungen fort und kam mit einer Zusammenstellung von Widersprüchen in der Bibel.

Der Exodus erzählt uns, daß vierzig Jahre lang in der Wüste geopfert wurde; nach Amos und Jeremias fanden keine Opfer statt. Die Bücher der Chronika und das Buch Esra stimmen nicht überein in betreff der Zählung des Volkes. Im Deuteronomium sieht Moses den Herrn von Angesicht zu Angesicht; dem Exodus zufolge konnte er ihn niemals sehen. Wo bleibt da die göttliche Eingebung?

„Nur ein Grund mehr, an sie zu glauben,“ erwiderte lächelnd Herr Jeufroy. „Betrüger brauchen Leute, die ihr Treiben begünstigen; ehrlich Überzeugte kümmern sich nicht um die Meinung anderer. Halten wir uns in unsern Verlegenheiten an die Kirche. Sie ist stets unfehlbar.“

Von wem hängt die Unfehlbarkeit ab?

Die Konzile zu Basel und Konstanz sprechen sie den Konzilen zu. Aber oft weichen die Konzile voneinander ab; ein Beweis dafür ist, wie es Athanasius und Arius erging: die zu Florenz und im Lateran weisen sie dem Papste zu. Doch Hadrian VI. erklärt, daß der Papst sich wie jeder andere irren könne.