Das sind Rabulistereien! Sie ändern nichts an dem ununterbrochenen Fortbestehen der kirchlichen Lehre.

Das Werk Hervieus hebt ihre Wandlungen hervor; die Taufe war ehemals den Erwachsenen vorbehalten. Die letzte Ölung wurde erst im neunten Jahrhundert ein Sakrament; die wirkliche Gegenwart wurde im achten beschlossen, das Fegefeuer im fünfzehnten anerkannt, die unbefleckte Empfängnis ist von gestern.

Und Pécuchet wußte schließlich nicht mehr, was er von Jesus denken sollte. Drei der Evangelisten machen einen Menschen aus ihm. An einer Stelle bei Sankt Johannes scheint er sich Gott gleichzusetzen, an einer anderen ebendort sich als ihm untergeordnet zu betrachten.

Der Abbé führte dagegen den Brief des Königs Abgar, die Akten des Pilatus und das Zeugnis der Sibyllen, „dessen Kern wahr ist“, ins Treffen. Er fand die Jungfrau bei den Galliern wieder, die Verkündigung eines Erlösers in China, die Dreifaltigkeit überall, das Kreuz auf der Mütze des Groß-Lama, in Ägypten in der Hand der Götter; — und er wies sogar einen Stich vor, der einen Nilmesser darstellte; das war jedoch nach Pécuchets Ansicht ein Phallus.

Herr Jeufroy fragte seinen Freund Pruneau heimlich um Rat, der ihm Beweise aus Büchern suchte. Ein Kampf der Gelahrtheit entspann sich; und von Eigenliebe gepeitscht, stürzte Pécuchet sich in die Transzendentalphilosophie, in die Mythologie.

Er verglich die Jungfrau mit der Isis, das Heilige Abendmahl mit dem Haoma der Perser, Bacchus mit Moses, die Arche Noah mit dem Schiff des Xithuros; die Ähnlichkeiten bewiesen für ihn die Identität der Religionen.

Doch es kann nicht mehrere Religionen geben, da es nur einen Gott gibt, — und wenn er mit seinen Argumenten zu Ende war, rief der Mann im Priesterrock: „Das ist ein Mysterium!“

Was bedeutet dieses Wort? Mangel an Wissen; recht schön. Aber wenn es etwas bezeichnet, das auszusprechen schon einen Widerspruch in sich schließt, so ist es eine Dummheit, — und Pécuchet ließ Herrn Jeufroy nicht mehr los. Er überraschte ihn in seinem Garten, erwartete ihn vor seinem Beichtstuhl, stöberte ihn in der Sakristei auf.

Der Priester ersann Listen, ihm zu entgehen.

Als er eines Tages von Sassetot zurückkam, wo er jemandem die letzte Ölung erteilt hatte, ging Pécuchet ihm entgegen, so daß die Unterhaltung unvermeidlich wurde.