Die Mädchen brauchen nicht gelehrt zu sein wie die Knaben. Gleichviel! Gewöhnlich erzieht man sie in wahrem Stumpfsinn, denn ihr ganzer geistiger Ballast beschränkt sich auf mystische Albernheiten.

Ist es richtig, ihnen Sprachen beizubringen?

„Spanisch und Italienisch“, so behauptet der Schwan von Cambray, „führen nur dazu, gefährliche Werke zu lesen.“ Dieser Einwand schien ihnen dumm. Indessen würde Viktorine mit diesen Sprachen nichts anzufangen wissen, während Englisch verbreiteter ist. Pécuchet studierte seine Regeln; er zeigte gravitätisch, wie ein th ausgesprochen wird. „Sieh, so, the, the, the!“ Doch bevor man an den Unterricht eines Kindes geht, muß man dessen Fähigkeiten kennen. Man erschließt sie durch die Phrenologie. Sie vertieften sich in diese Wissenschaft; wollten dann, was sie behauptet, an sich selbst nachweisen. Bouvard zeigte die Buckel des Wohlwollens, der Phantasie, der Ehrfurcht und der Liebesenergie, vulgo Erotismus.

An Pécuchets Schläfenbein wurden philosophische Veranlagung und Enthusiasmus festgestellt, wozu sich der Geist der List gesellte.

In der Tat, so waren ihre Charaktere. Noch mehr überraschte sie, daß sich bei dem einen wie bei dem andern der Hang zur Freundschaft erkennen ließ, und, entzückt über die Entdeckung, umarmten sie gerührt einander.

Dann dehnten sie ihre Untersuchungen auf Marcel aus. Sein größter Fehler war ihnen recht wohl bekannt; es war sein außerordentlicher Appetit. Nichtsdestoweniger waren Bouvard und Pécuchet erschrocken, als sie oberhalb der Ohrmuschel in der Höhe des Auges den Nahrungstrieb feststellten. Mit den Jahren würde ihr Diener vielleicht wie die Frau in der Salpêtrière werden, die täglich acht Pfund Brot aß, einmal vierzehn Teller Suppe und ein anderes Mal sechzig Schalen Kaffee vertilgte. Das würde über ihre Kräfte gehen.

Die Schädel ihrer Schüler hatten nichts Merkwürdiges; gewiß faßten sie die Sache nicht richtig an; ein sehr einfaches Mittel brachte ihnen größere Erfahrung.

An den Markttagen schlichen sie sich unter die Bauern auf dem Platze, zwischen die Hafersäcke, die Käsekörbe, die Kälber, die Pferde, ohne des Gedränges zu achten; und wenn sie einen Jungen bei seinem Vater fanden, so erboten sie sich, ihm den Schädel zu einem wissenschaftlichen Zweck zu betasten.

Die meisten gaben überhaupt keine Antwort; andere, die glaubten, es handle sich um eine Salbe gegen den Grind, schlugen ärgerlich ab; einige ließen sich aus Gleichgültigkeit unter die Vorhalle der Kirche führen, wo man ungestörter sein würde.

Eines Morgens, als Bouvard und Pécuchet dort ihre Untersuchungen begannen, erschien plötzlich der Pfarrer, und als er sah, was sie machten, erhob er gegen die Phrenologie den Vorwurf, daß sie zum Materialismus und Fatalismus führe.