Bouvard, der Pécuchets Kenntnissen mißtraute, stöberte die ganze Bibliothek durch und entdeckte im „Redouté des Dames“ die Zeichnung einer Iris, bei der die Fruchtknoten nicht in der Blumenkrone lagen, sondern unterhalb der Blütenblätter im Stengel.
In ihrem Garten wuchsen Klebe und Waldmeister, der in Blüte stand; diese Rubiazeen hatten keinen Kelch; so war der an die Tafel geschriebene Lehrsatz falsch.
„Das ist eine Ausnahme,“ sagte Pécuchet.
Zufällig aber fanden sie im Grase eine Sherardia, und sie hatte einen Kelch.
„O weh! wenn sogar die Ausnahmen nicht stimmen, was soll man glauben?“
Eines Tages hörten sie auf einem ihrer Spaziergänge Pfauen schreien, warfen einen Blick über die Mauer, und im ersten Augenblicke erkannten sie ihren Pachthof nicht wieder. Die Scheune hatte ein Schieferdach, es waren neue Gattertore da, eine Steinauflage deckte die Wege. Vater Gouy erschien: „Nicht möglich, Sie sind es?“ Was hatte sich in den drei Jahren nicht alles ereignet, unter anderm der Tod seiner Frau. Was ihn selbst beträfe, so trotze seine Gesundheit allen Stürmen. „Kommen Sie doch einen Augenblick herein.“
Es war Anfang April, und in den drei Obsthöfen reihten die blühenden Apfelbäume ihre weißen und rosigen Ballen in einer Flucht aneinander; der seidigblaue Himmel zeigte nicht eine Wolke; Tischtücher, Laken, Servietten hingen herab, senkrecht durch Holzklammern an aufgespannten Leinen festgehalten. Vater Gouy hob sie hoch, um darunter durchzukriechen, als sie plötzlich Frau Bordin erblickten, die barhäuptig und in einer Hausjacke war, und Marianne, die ihr ein schweres Wäschebündel nach dem andern reichte. „Ihre Dienerin, meine Herren! Tuen Sie, als ob Sie zu Hause wären! Ich muß mich setzen, ich bin wie zerschlagen.“
Der Pächter bot der ganzen Gesellschaft einen Trunk an.
„Jetzt nicht,“ sagte sie, „ich bin zu warm.“