Während Pécuchet sich eifrig mit den Eingeweidewürmern beschäftigte, bemerkte er auf Frau Bordins Wange einen sonderbaren Fleck. Der Doktor behandelte sie seit langer Zeit mit Aufgüssen von bitteren Kräutern; anfangs rund wie ein Frankenstück, hatte dieser Fleck sich vergrößert und bildete einen rosigen Kreis. Sie wollten sie davon befreien. Sie willigte ein, aber unter der Bedingung, daß Bouvard ihr die Einreibungen mache. Sie setzte sich ans Fenster, hakte den oberen Teil ihrer Taille auf und verharrte mit gebeugter Wange, während sie ihn mit einem Blick ansah, der ohne Pécuchets Gegenwart gefährlich gewesen wäre. Trotz der Furcht vor Quecksilber wandten sie in den erlaubten Dosen Kalomel an. Einen Monat später war Frau Bordin geheilt.

Sie warb ihnen Anhänger, — und der Steuereinnehmer, der Schreiber auf dem Bürgermeisteramt, sogar der Bürgermeister, alle Welt in Chavignolles lutschte Federkiele.

Indessen wurde der Bucklige nicht gerade. Der Steuereinnehmer gab die Zigarette auf, sie verstärkte seine Atemnot. Foureau beklagte sich über die Aloepillen, die ihm Hämorrhoiden verursachten, Bouvard hatte Magenschmerzen und Pécuchet fürchterliche Migränen. Sie verloren das Vertrauen zu Raspail, doch hüteten sie sich, etwas davon zu sagen, aus Furcht, ihr Ansehen zu verringern.

Und sie zeigten großen Eifer für die Schutzpockenimpfung, lernten an Kohlblättern zur Ader lassen und erstanden sogar einen Schnepper.

Sie begleiteten den Arzt zu den Armen und schlugen dann in ihren Büchern nach.

Die von den Verfassern vermerkten Symptome waren nicht die, welche sie soeben gesehen hatten. Die Krankheiten selber hatten lateinische, griechische, französische Namen, es war ein buntes Durcheinander aller Sprachen.

Man zählt sie nach Tausenden, und die Linnésche Klassifikation mit ihren Gattungen und Arten ist recht bequem; doch wie die Gattungen aufstellen? Da verirrten sie sich in die Philosophie der Medizin.

Sie sannen über die Urkraft Van Helmonts nach, über Vitalismus, Brownianismus, Organicismus; sie fragten den Doktor, woher der Skrofelkeim komme, wo sich die ansteckende Mikrobe festsetze, und sie wollten ein Mittel wissen, um in allen Krankheitsfällen Ursache und Wirkung unterscheiden zu können.

„Ursache und Wirkung vermengen sich,“ sagte Vaucorbeil.

Sein Mangel an Logik widerte sie an, und sie besuchten die Kranken ganz allein, indem sie sich unter dem Vorwande der Nächstenliebe in die Häuser einführten.