„Es ist kalt heute! Ordentlich kalt!“

Emma gab keine Antwort. Er fuhr fort:

„Sie sind heute schon zeitig auf den Beinen?“

„Jawohl!“ stotterte sie. „Ich war bei den Leuten, wo mein Kind ist...“

„So so! Na ja! Und ich! So wie Sie mich sehen, sitze ich schon seit Morgengrauen hier. Aber das Wetter ist so ruppig, daß man auch nicht einen Schwanz vor die Flinte kriegt ...“

„Adieu, Herr Binet!“ unterbrach sie ihn und wandte sich kurz von ihm ab.

„Ihr Diener, Frau Bovary!“ sagte er trocken und kroch wieder in seine Tonne.

Emma bereute es, den Steuereinnehmer so unfreundlich stehen gelassen zu haben. Zweifellos hegte er allerlei ihr nachteilige Vermutungen. Auf eine dümmere Ausrede hätte sie auch wirklich nicht verfallen können, denn in ganz Yonville wußte man, daß das Kind schon seit einem Jahre wieder bei den Eltern war. Und sonst wohnte in dieser Richtung kein Mensch. Der Weg führte einzig und allein nach der Hüchette. Somit mußte Binet erraten, wo Emma gewesen war. Sicherlich würde er nicht schweigen, sondern es ausklatschen! Bis zum Abend marterte sie sich ab, alle möglichen Lügen zu ersinnen. Immer stand ihr dieser Idiot mit seiner Jagdtasche vor Augen.

Als Karl nach dem Essen merkte, daß Emma bekümmert war, schlug er ihr vor, zur Zerstreuung mit zu „Apothekers“ zu gehen.

Die erste Person, die sie schon von draußen in der Apotheke im roten Lichte erblickte, war — ausgerechnet — der Steuereinnehmer. Er stand an der Ladentafel und sagte gerade: