Der Kaufmann war verblüfft. Um seine Enttäuschung zu verbergen, brachte er endlose Entschuldigungen vor und bot Emma alle möglichen Dienste an, die sie allesamt ablehnte.
Eine Weile stand sie dann noch nachdenklich da und klimperte mit dem Kleingeld, das sie wieder herausbekommen und in die Tasche ihrer Schürze gesteckt hatte. Sie nahm sich vor, tüchtig zu sparen, damit sie recht bald ...
„Was ist da weiter dabei?“ beruhigte sie sich. „Er wird nicht gleich dran denken!“
Außer dem Reitstocke mit dem vergoldeten Silbergriffe hatte Rudolf auch noch ein Petschaft von ihr geschenkt bekommen, mit dem Wahlspruch: Amor nel Cor! (Liebe im Herzen!), fernerhin ein seidenes Halstuch und eine Zigarrentasche, zu der sie als Muster die Tasche genommen hatte, die Karl damals auf der Landstraße gefunden hatte, als sie vom Schlosse Vaubyessard heimfuhren. Emma hatte sie sorglich aufbewahrt. Rudolf nahm diese Geschenke erst nach langem Sträuben. Sie waren ihm peinlich. Aber Emma drang in ihn, und so mußte er sich schließlich fügen. Er fand das aufdringlich und höchst rücksichtslos.
Sie hatte wunderliche Einfälle.
„Wenn es Mitternacht schlägt,“ bat sie ihn einmal, „mußt du an mich denken!“
Als er hinterher gestand, er habe es vergessen, bekam er endlose Vorwürfe zu hören, die alle in die Worte ausklangen:
„Du liebst mich nicht mehr!“
„Ich dich nicht mehr lieben?“
„Über alles?“