Aber Lheureux sträubte sich dagegen. Das ginge nicht. Sie wäre doch eine so gute Kundin. Ob sie kein Vertrauen zu ihm habe? Was solle denn das? Doch sie bestand darauf, daß er wenigstens die Kette nähme.

Er hatte sie bereits eingesackt und war schon draußen, da rief ihn Emma zurück.

„Behalten Sie das Bestellte vorläufig bei sich! Und den Mantel ...,“ sie tat so, als ob sie sichs überlegte „... den bringen Sie auch nicht erst ... oder noch besser: geben Sie mir die Adresse des Schneiders und sagen Sie ihm, der Mantel soll bei ihm zum Abholen bereitliegen.“

Die Flucht sollte im kommenden Monat erfolgen. Emma sollte Yonville unter dem Vorwande verlassen, in Rouen Besorgungen zu machen. Rudolf sollte dort schon vorher die Plätze in der Post bestellen, Pässe besorgen und nach Paris schreiben, damit das Gepäck gleich direkt bis Marseille befördert würde. In Marseille wollten sie sich eine Kalesche kaufen, und dann sollte die Reise ohne Aufenthalt weiter nach Genua gehen. Emmas Gepäck sollte Lheureux mit der Post wegbringen, ohne daß irgendwer Verdacht schöpfte. Bei allen diesen Vorbereitungen war von ihrem Kinde niemals die Rede. Rudolf vermied es, davon zu sprechen. „Sie denkt vielleicht nicht mehr daran“, sagte er sich.

Er erbat sich zunächst zwei Wochen Frist, um seine Angelegenheiten zu ordnen; nach weiteren acht Tagen forderte er nochmals zwei Wochen Zeit. Hernach wurde er angeblich krank, sodann mußte er eine Reise machen. So verging der August, bis sie sich nach allen diesen Verzögerungen schließlich „unwiderruflich“ auf Montag den 4. September einigten.

Am Sonnabend vorher stellte sich Rudolf zeitiger denn gewöhnlich ein.

„Ist alles bereit?“ fragte sie ihn.

„Ja.“

Sie machten einen Rundgang um die Beete und setzten sich dann auf den Rand der Gartenmauer.

„Du bist verstimmt?“ fragte Emma.