„Macht sie ihm gar einen Antrag?“ flüsterte Frau Tüvache. Binet bekam einen roten Kopf. Emma erfaßte seine Hände.

„Nein, das ist doch stark!“ zischelte Frau Caron.

In der Tat mußte Emma etwas Schändliches von Binet gefordert haben, denn dieser tapfere Veteran, der bei Dresden und Leipzig mitgekämpft hatte und dekoriert worden war, wich plötzlich vor ihr zurück, als ob ihn eine Natter stechen wollte, und rief aus:

„Frau Bovary, was muten Sie mir zu!“

„Solche Frauenzimmer sollte man öffentlich auspeitschen!“ eiferte Frau Tüvache.

„Wo ist sie denn mit einem Male hin?“ erwiderte die andre.

Wenige Augenblicke später sahen sie Emma die Hauptstraße hinausgehen und dann links verschwinden, wo der Weg zum Friedhof abzweigt. Die beiden Horcherinnen erschöpften sich in allerhand Vermutungen.

Emma lief zur alten Frau Rollet.

„Machen Sie mir das Korsett auf! Ich ersticke!“

Mit diesen Worten trat sie bei ihr ein. Dann sank sie auf das Bett und begann zu schluchzen. Die Frau deckte sie mit einem Rocke zu und blieb vor ihr stehen. Da Emma auf keine ihrer Fragen antwortete, ging sie schließlich hinaus, holte ihr Spinnrad und begann zu spinnen.