„Ach, hören Sie auf!“ sagte Emma leise. Es war ihr, als höre sie noch Binets Drehbank.
„Was mag sie nur haben?“ fragte sich Frau Rollet. „Warum ist sie hergekommen?“
Was ahnte sie von der Angst, die Frau Bovary aus ihrem Hause gejagt hatte?
Emma lag auf dem Rücken, regungslos, mit stieren Augen, die keinen Gegenstand deutlich sahen, so sehr sie sich mit idiotischer Beharrlichkeit bemühte, scharf zu beobachten. Sie starrte auf die brüchigen Stellen der Mauer, auf das armselige bißchen Holz, das im Kamine qualmte, auf eine große Spinne, die gerade über ihr an einem rissigen Deckenbalken hinkroch ...
Endlich kam Ordnung in ihre Gedanken. Erinnerungen tauchten auf ... der Tag, an dem sie mit Leo hier gewesen war ... Ach, wie weit lag das zurück! Die Sonne hatte im Bache geglitzert, und die Klematisranken hatten sie im Vorübergehen gestreift ... Tausend andre Erinnerungen umwirbelten sie wie ein brodelnder Katarakt, und mit einem Male war sie wieder bei ihren jüngsten Erlebnissen.
„Wieviel Uhr ist es?“ fragte sie.
Mutter Rollet ging vor das Haus, schaute nach der lichten Stelle des Himmels, die den Stand der Sonne verriet, und kam gemächlich wieder herein.
„Bald drei Uhr!“ sagte sie.
„Schön! Ich danke!“
Jetzt mußte Leo bald da sein! Sicherlich kam er. Er hatte das Geld aufgetrieben. Aber er suchte sie in ihrer Wohnung. Daß sie hier war, konnte er doch nicht wissen. Deshalb bat sie Frau Rollet, sofort einmal nachzusehen und ihn herzubringen.