„Still! Man könnte kommen!“
Er war verzweifelt und wollte um Hilfe rufen.
„Sag nichts davon! Man könnte deinen Herrn zur Verantwortung ziehen!“
Dann ging sie hinaus, plötzlich voller Frieden, im seligen Gefühle, eine Pflicht erfüllt zu haben.
Neuntes Kapitel
Emma hatte eben das Haus verlassen, als Karl heimkam. Die Nachricht von der Pfändung traf ihn wie ein Keulenschlag. Dazu seine Frau fort! Er schrie, weinte und fiel in Ohnmacht. Was nützte das? Wo konnte sie nur sein? Er schickte Felicie zu Homais, zu Tüvache, zu Lheureux, nach dem Goldenen Löwen, überallhin. Und mitten in seiner Angst um Emma quälte ihn der Gedanke, daß sein guter Ruf vernichtet, ihr gemeinsames Vermögen verloren und die Zukunft Bertas zerstört sei. Und warum? Keine Erklärung! Er wartete bis sechs Uhr abends. Endlich hielt ers nicht mehr aus, und da er vermutete, sie sei nach Rouen gefahren, ging er ihr auf der Landstraße eine halbe Wegstunde weit entgegen. Niemand kam. Er wartete noch eine Weile und kehrte dann zurück.
Sie war zu Haus.
„Was ist das für eine Geschichte? Wie ist das gekommen? Erklär es mir!“
Sie saß an ihrem Schreibtisch und beendete gerade einen Brief, den sie langsam versiegelte, nachdem sie Tag und Stunde darunter gesetzt hatte. Dann sagte sie in feierlichem Tone:
„Du wirst ihn morgen lesen! Bis dahin bitte ich dich, keine einzige Frage an mich zu richten! Keine, bitte!“