Der Schein der Abendsonne fiel ihm voll ins Gesicht und nahm seiner Soutane alle Farbe. Sie glänzte übrigens an den Ellenbogen bereits, und in den Säumen war sie ausgefasert. Fett- und Tabakflecke begleiteten die Linie der kleinen Knöpfe die Brust entlang. Nach dem Kragen zu, unter dem Doppelkinn seines Gesichts, wurden sie zahlreicher. Es war von Sommersprossen besät, die sich in seinen stoppeligen grauen Bart hinein verloren. Er kam vom Essen und atmete geräuschvoll.

„Wie geht es Ihnen?“ erkundigte er sich.

„Schlecht!“ antwortete Emma.

„Ja, ja! Ganz wie mir“, erwiderte der Priester. „Die ersten warmen Tage machen einen unglaublich matt, nicht wahr? Aber es ist nun einmal so! Wir sind zum Leiden geboren, wie Sankt Paulus sagt. Und wie denkt Herr Bovary darüber?“

„Ach der!“ Sie machte eine verächtliche Gebärde.

„Was?“ erwiderte der ehrwürdige Mann ganz erstaunt. „Verordnet er Ihnen denn nichts?“

„Ach,“ meinte sie, „irdische Heilmittel, die nutzen mir nichts.“

Trotzdem sich der Geistliche unterhielt, warf er seinen Blick doch hin und wieder in die Kirche, wo die Jungen, die niedergekniet waren, sich gegenseitig mit den Schultern anrempelten, so daß sie reihenweise wie die Kegel umpurzelten.

„Ich möchte gern wissen ...“, fuhr Emma fort.

„Warte nur, Boudet, warte du nur!“ unterbrach sie der Priester in zornigem Tone. „Ich werde dich gleich an den Ohren kriegen, du Schlingel, du!“ Zu Emma gewandt, fügte er hinzu: „Das ist der Junge vom Zimmermann Boudet. Seine Eltern sind schwache Leute; sie lassen dem Jungen die größten Narrenpossen durch. Der Bengel könnte sehr wohl was lernen, wenn er nur wollte, denn er ist gar nicht dumm ... Na, und wie gehts dem Herrn Gemahl?“