Emma tat, als ob sie die Frage überhört hätte. Der Geistliche fuhr fort:
„Immer tüchtig beschäftigt, nicht wahr? Ja, ja! Er und ich, wir beiden haben im Kirchspiel zweifellos am meisten zu tun ...“ Er lachte behäbig, „... er als Arzt des Leibes und ich der Seele.“
Emma schaute ihn flehentlich an.
„Sie! Ja!“ sagte sie. „Sie heilen alle Wunden!“
„Oh! Sprechen Sie nicht so, Frau Bovary! Gerade heute vormittag, da bin ich nach Bas-Diauville gerufen worden, zu einer wassersüchtigen Kuh. Die Leute glaubten, das Tier sei verhext. Merkwürdig! Alle Kühe da ... Verzeihen Sie mal! — Longuemarre und Boudet! Zum Donnerwetter! Wollt ihr stille sein!“ Mit einem großen Satze war er drinnen in der Kirche.
Da flohen die Knaben hinter das Meßpult oder kletterten auf den Sitz des Vorsängers. Andre verkrochen sich in den Beichtstuhl. Aber der Pfarrer teilte behend rechts und links einen Hagel von Backpfeifen aus; einen der Jungen packte er am Rockkragen, hob ihn in die Luft und duckte ihn dann in die Knie, als ob er ihn mit aller Gewalt in die Steinfliese hineindrücken wollte.
„So!“ sagte er zu Frau Bovary, als er wieder bei ihr war, während er sein großes Kattuntaschentuch entfaltete und sich den Schweiß von der Stirn wischte. „Die Landleute sind recht zu bedauern ...“
„Andre Leute auch“, meinte sie.
„Gewiß! Die Arbeiter in den Städten zum Beispiel.“
„Die meine ich nicht.“