„Sehr richtig,“ unterbrach ihn der Apotheker, „das ist die Kehrseite der Medaille! In Paris, da muß man sich fortwährend die Taschen zuhalten. Zum Beispiel, Sie sitzen in einer öffentlichen Anlage. Nimmt da jemand neben Ihnen Platz, anständig angezogen, womöglich ein Ordensbändchen im Knopfloch. Man könnte ihn für einen Diplomaten halten. Er spricht Sie an. Sie kommen ins Plaudern. Er bietet Ihnen eine Prise an oder hebt Ihnen den Hut auf. So wird man intimer. Er nimmt Sie mit ins Café, ladet Sie in sein Landhaus ein, macht Sie bei einem Glas Wein mit Tod und Teufel bekannt — und das Ende vom Liede: er pumpt Sie an oder verstrickt Sie in gefährliche Abenteuer.“
„So ist es!“ gab Karl zu. „Aber ich dachte vor allem an die Krankheiten, die dem Studenten aus der Provinz in der Großstadt drohen. Zum Beispiel ... der Typhus.“
Emma zuckte zusammen.
„Der kommt von der gänzlich veränderten Lebensweise“, fuhr der Apotheker fort, „und der dadurch hervorgebrachten Umwälzung des ganzen Organismus. Und dann denken Sie an das Pariser Wasser! An das Essen in den Restaurants! Diese starkgewürzten Speisen verderben schließlich das Blut. Man mag sagen, was man will, mit einer guten Hausmannskost sind sie nicht zu vergleichen. Ich für meinen Teil, ich schätze von jeher die bürgerliche Küche. Die ist am gesündesten. Als ich stud. pharm. in Rouen war, da habe ich deshalb regelmäßig in einer Pension gegessen. Die Herren Professoren aßen auch da ...“
In dieser Weise fuhr er fort, sich über seine Ansichten im allgemeinen und seinen persönlichen Geschmack im besondern auszulassen, bis Justin kam und ihn zur Bereitung einer bestellten Arznei holte.
„Man hat aber auch keinen Augenblick seine Ruhe!“ schimpfte er. „Immer liegt man an der Kette! Keine Minute kann man fort. Ein Arbeitstier bin ich, das Blut schwitzen muß. Das ist ein Hundedasein!“
In der Tür sagte er noch:
„Übrigens, wissen Sie schon das Neueste?“
„Was denn?“
Homais zog die Brauen hoch und machte eine hochwichtige Miene.