Sie wollte die Zukunft wissen und ging zu ihrer Schlange. Die Haltung der Schlangen galt als Vorbedeutung. Doch der Korb war leer. Salambo erschrak.

Sie fand das Tier neben ihrem Hängebett. Es hatte sich um einen Pfeiler des silbernen Geländers geringelt und rieb sich daran, um die alte welke Haut abzustreifen, aus der sein heller glänzender Leib schon hervorschimmerte wie ein halb aus der Scheide gezücktes Schwert.

Je mehr sich Salambo in den folgenden Tagen überzeugen ließ, je geneigter sie ward, Tanit zu helfen, um so gesünder und kräftiger ward ihre Schlange. Sie lebte sichtlich wieder auf.

Jetzt war Salambo gewiß, daß Schahabarim den Willen der Götter übermittle. Eines Morgens erwachte sie fest entschlossen und fragte, was sie tun müsse, damit Matho den Mantel zurückgäbe.

»Ihn fordern!« entgegnete Schahabarim.

»Aber wenn er sich weigert?«

Der Priester sah sie starr an, aber mit einem Lächeln, das sie bei ihm noch nie gesehen hatte.

»Ja, was dann?« wiederholte Salambo.

Der Priester spielte mit den Enden der Bänder, die von seiner Tiara auf seine Schultern herabfielen, und stand unbeweglich da, mit gesenktem Blick. Als er aber merkte, daß sie ihn nicht verstand, da sagte er endlich:

»Du wirst mit ihm allein sein!«