»Nicht doch! Das Schwirren der Tonkugel macht zu viel Lärm! Ich wills tun!«
Er spannte seinen Bogen mit aller Kraft, indem er das eine Ende gegen die große Zehe seines linken Fußes stemmte. Dann zielte er. Der Pfeil flog ab.
Der Mann fiel nicht herunter, aber er verschwand. »Wäre er verwundet, so würden wir ihn hören!« meinte Spendius.
Mit Hilfe eines Seiles und einer Harpune, ganz wie das erstemal, kletterte er nun eiligst von Stockwerk zu Stockwerk hinauf. Als er oben neben dem Erschossenen stand, ließ er das Seil hinab. Der Balearier band einen Hammer und eine Hacke daran und kehrte in das Lager zurück. Die Trompeten waren verstummt. Alles war wieder ruhig. Spendius hatte eine der Steinplatten aufgehoben, war ins Wasser gestiegen und hatte den Gang über sich wieder geschlossen.
Indem er die Entfernung nach der Zahl seiner Schritte berechnete, gelangte er zu einer bestimmten Stelle, wo er ehedem einen kleinen senkrechten Spalt in der Mauer bemerkt hatte. Dort arbeitete er drei Stunden lang bis zum Morgen ununterbrochen und fanatisch, wobei er durch die Fugen der Deckplatten mühsam Luft schöpfte, öfters von Atemnot befallen ward und sich zwanzigmal dem Tode nahe wähnte. Endlich krachte es. Ein riesiger Steinblock stürzte, von Stockwerk zu Stockwerk fallend, hinab, und plötzlich ergoß sich ein Katarakt, ein voller Wasserstrom aus den Lüften hinab in die Ebene. Die durchbrochene Wasserleitung entleerte sich. Das war der Tod für die Stadt und der Sieg für die Barbaren!
Bald darauf waren die Karthager alarmiert und erschienen auf den Mauern, den Häusern, den Tempeln. Die Barbaren stürzten laut jubelnd herbei. Wie rasend umtanzten sie den großen Wasserfall und tauchten im Übermaß ihrer Freude die Köpfe in die Fluten.
Auf der Höhe des Aquädukts bemerkte man einen Mann in brauner, zerrissener Tunika. Die Hände in die Hüften gestemmt, beugte er sich über den Rand und schaute hinab, wie erstaunt über sein eigen Werk.
Dann richtete er sich hoch auf und ließ seinen Blick stolz über den Horizont schweifen, als wolle er sagen: »Das alles ist jetzt mein!« Die Karthager, die ihr Unglück voll begriffen, heulten vor Verzweiflung. Da begann Spendius auf der Plattform von einem Rande zum andern zu laufen, und wie ein Wagenlenker, der bei den olympischen Spielen triumphiert, hob er im Rausche seines Stolzes die Arme gen Himmel.