Nach dem Innern des Landes zu bedurften die Barbaren keines Walles. Das Hinterland war in ihrer Gewalt. Um aber leichter an die Mauern der Stadt heranzukommen, zerstörte man die vor dem Wallgraben angelegte Brustwehr. Die Stellungen seiner Truppen ordnete Matho in einem großen Halbkreise an und schloß damit Karthago an der Landseite vollständig ab. Das schwere Fußvolk der Söldner stellte er in das vorderste Treffen, weiter hinter die Schleuderer und die Reiterei und zuhinterst das Gepäck, die Wagen und die Pferde. Vor der ganzen Heeresmasse, dreihundert Schritte von den Türmen Karthagos entfernt, standen die Geschütze und Belagerungsmaschinen.

Bei der unendlichen Mannigfaltigkeit ihrer Benennungen, die im Laufe der Jahrhunderte mehrfach gewechselt hatten, konnte man die Geschütze immerhin noch in zwei Systeme gliedern: in Geschütze mit Horizontalspannung und in solche mit Winkelspannung. Die ersteren, die Katapulte oder Pfeilgeschütze, schossen lediglich Pfeile, auch Brandpfeile. Die andern, die Ballisten oder Steinböller, warfen Steinkugeln oder nach ihrem Gewicht genau abgemessene Steine, auch mächtige balkenartige Pfeile. Die Katapulte hießen auch Skorpione.

Daneben gab es noch Schleudergeschütze, die Onager, so genannt nach den Wildeseln, die mit ihren Hinterhüfen Steine werfen.

Die Erbauung aller dieser schweren Geschütze erforderte wissenschaftliche Berechnungen. Das Holz mußte von den härtesten Sorten sein. Sämtliche feineren Teile waren aus Erz. Die größeren Kaliber wurden nicht mit der Hand gespannt, sondern durch Flaschenzüge und dergleichen. Die grobe Seitenrichtung der großen Geschütze wurde durch lange Richtbäume genommen. Die Fortbewegung erfolgte auf Walzen. Die größten, die man stückweise herbeischaffte, wurden erst angesichts des Feindes zusammengesetzt.

Spendius richtete seine drei größten Steinböller gegen die drei Hauptvorsprünge der Mauer. Vor jedes Tor stellte er einen Widder, vor jeden Turm ein Pfeilgeschütz. Die Karroballisten, das waren die Geschütze auf fahrbaren Lafetten, fuhren weiter hinten auf. Sie überschossen die vorderen. An den Stellen, wo man die Geschütze aus den Schanzen herausschob, mußte man vorher den Graben zuschütten.

Alle diese Maschinen mußte man gegen das Feuer der Belagerten schützen. Man schob Lauben aus Reisig und sogenannte Schildkröten aus Eichenholz vor, die riesigen Schilden glichen und auf drei Rädern liefen. Kleine, mit frischen Häuten überzogene und mit Seegras gepolsterte Hütten deckten die Bedienungsmannschaft. Die Katapulte und Ballisten schützte man durch Seilvorhänge, die in Essig getaucht waren, um sie unverbrennbar zu machen. Frauen und selbst Kinder halfen den Geschützbedienungen, indem sie die nötigen Steine suchten und herbeischleppten.

Die Karthager rüsteten sich gleichfalls.

Hamilkar hatte sie rasch beruhigt, indem er erklärte, daß in den Zisternen Wasser für hundertdreiundzwanzig Tage vorhanden sei. Diese Versicherung, seine Gegenwart und namentlich die des heiligen Mantels machten die Stadt guten Mutes. Sie erholte sich von ihrer Bestürzung, und auch die Einwohner nicht kanaanitischer Herkunft wurden durch den Eifer der andern mit fortgerissen.

Man bewaffnete die Sklaven. Man leerte die Zeughäuser. Jeder Bürger erhielt sein Amt und seinen Posten. Von den Überläufern waren noch zwölfhundert da. Der Suffet ernannte sie sämtlich zu Unteroffizieren. Die Waffen-, Grob- und Goldschmiede wurden in den Geschützwerkstätten angestellt. Die Karthager besaßen noch einige schwere Geschütze, den Friedensbedingungen mit den Römern zuwider. Man setzte sie wieder instand. Die Handwerker verstanden sich darauf.

Die Nord- und Ostseite der Stadt, durch das Meer und den Golf geschützt, waren uneinnehmbar. Auf die von den Barbaren belagerte Mauer auf der Landenge schaffte man Baumstämme, Mühlsteine, Bottiche mit Schwefel, und Fässer voll Öl. Man erbaute Öfen, häufte Steine auf der Plattform der Türme und füllte die Häuser, die unmittelbar an den Wall stießen, mit Sand, um dadurch seine Widerstandsfähigkeit und Stärke zu zu vermehren.