Jetzt geriet er mit Matho ins Gefecht. Die numidischen Elefanten rückten an. Aber die Söldner machten sich Fackeln und rückten, sie schwenkend, in die Ebene vor. Die mächtigen Tiere scheuten und rannten nach rückwärts in den Golf, wo sie um sich schlugen und sich gegenseitig töteten oder unter der Last ihrer Panzer ertranken. Auch seine Reiterei setzte Naravas in Bewegung. Die Söldner warfen sich jedoch mit den Gesichtern auf den Boden, und als die Pferde auf drei Schritt heran waren, sprangen sie ihnen unter die Bäuche und schlitzten sie mit Dolchstößen auf. Als Barkas endlich herbeikam, war bereits die Hälfte der Numidier gefallen.

Erschöpft, wie sie waren, vermochten die Söldner Hamilkars Truppen nicht Widerstand zu leisten. Sie zogen sich daher in guter Ordnung nach dem Berge der Heißen Wasser zurück. Der Suffet war so klug, sie nicht zu verfolgen. Er gab die Belagerung von Tunis auf und wandte sich nach der Makarmündung.

Die Kadaver der numidischen Elefanten trieben, vom Winde geführt, am Gestade des Golfes hin, wie schwarze schwimmende Inseln. Um den Krieg mit Nachdruck zu unterstützen, hatte Naravas seine Wälder erschöpft. Er hatte die jungen und die alten Tiere, die Männchen und die Weibchen genommen. Diese kriegerische Kraft seines Reiches erholte sich nie wieder.

Das karthagische Volk hatte die Elefanten von weitem umkommen sehn und war untröstlich darüber. Männer jammerten auf den Straßen und riefen ihre Namen wie die verstorbener Freunde: »Ach, der Unbesiegliche! Der Sieg! Der Blitz! Die Schwalbe!« Am ersten Tag sprach man von ihnen mehr als von den gefallenen Bürgern. Doch am nächsten Tage erblickte man die Zelte der Söldner am Berge der Heißen Wasser. Da ward die allgemeine Verzweiflung so groß, daß sich viele, namentlich Frauen, kopfüber von der Akropolis hinabstürzten.


Hamilkars Pläne kannte keiner. Er lebte einsam in seinem Zelte. Nur ein kleiner Knabe war um ihn. Niemand aß mit den beiden, nicht einmal Naravas. Gleichwohl bezeigte ihm der Feldherr seit Hannos Niederlage ungewöhnliche Höflichkeit. Der Numidierfürst begehrte zwar nichts sehnlicher denn Hamilkars Schwiegersohn zu werden, aber er war trotzdem mißtrauisch.

Des Marschalls scheinbare Untätigkeit verdeckte in der Tat schlaue Machenschaften und Absichten. Durch allerhand Kunstkniffe gewann er die Dorfältesten und die Söldner wurden gejagt, vertrieben und umstellt wie wilde Tiere. Wenn sie in ein Gehölz kamen, begann es zu brennen, wenn sie aus einer Quelle tranken, war sie vergiftet. Man vermauerte die Höhlen, in denen sie nachts lagerten. Die Nomadenstämme, ihre früheren Mitschuldigen, die bisher auf ihrer Seite gestanden hatten, wurden jetzt die Verfolger der Söldner. Man bemerkte bei diesen Banden stets karthagische Rüstungen.

Viele Barbaren hatten im Gesicht rote Flechten. Man munkelte, das sei durch die Berührung von Hannos Leib entstanden. Andre bildeten sich ein, es wäre die Strafe dafür, daß sie Salambos Fische gegessen hätten. Doch weit entfernt, Reue darüber zu empfinden, sannen sie auf noch abscheulichere Frevel, um die punischen Götter noch mehr zu beschimpfen. Man hätte sie am liebsten ausgerottet.

So zogen die Barbaren drei Monate lang an der Ostküste hin und dann über die Sellumer Berge hinaus bis zum Rande der Wüste. Man suchte einen Zufluchtsort, gleichviel wo. Nur Utika und Hippo-Diarrhyt waren treu geblieben. Doch beide Städte wurden von Hamilkar belagert. Deshalb zog man schließlich auf gut Glück wieder gen Norden, ohne die Straßen zu kennen. Das lange Elend hatte die Köpfe schwachsinnig gemacht. Man empfand nichts mehr als eine immer wachsende Erbitterung. Eines Tages waren die Söldner wieder in den Schluchten von Kobus, abermals vor Karthago.

Nun wurden die Treffen häufiger. Das Kriegsglück war wechselnd. Doch Freund wie Feind war derart erschöpft, daß man auf beiden Seiten anstatt dieser kleinen Scharmützel eine große Schlacht herbeiwünschte. Man sehnte sich nach der letzten Entscheidung.