Die Karthager langten vor den Barbaren in der Ebene an. Sie hatten die Schildränder mit Öl bestrichen, damit die Pfeile besser abglitten. Die Infanterie, die langes Haar trug, schnitt es sich aus Vorsicht über der Stirn ab. Hamilkar ließ um die fünfte Stunde alle Feldkessel umwerfen, denn er wußte, daß es sich mit überfülltem Magen nicht gut fechten läßt. Sein Heer zählte vierzehntausend Mann, das Doppelte des Barbarenheeres. Trotzdem hatte er nie eine gleiche Unruhe empfunden. Wenn er unterlag, so war die Republik verloren, und er selbst mußte am Kreuze sterben. Siegte er hingegen, so konnte er über die Pyrenäen, Gallien und die Alpen nach Italien gelangen, und das Reich der Barkiden war von ewiger Dauer! Zwanzigmal erhob er sich in der Nacht, um alles bis auf die geringsten Einzelheiten persönlich zu überwachen. Was seine Truppen betraf, so waren sie durch die lange Schreckenszeit arg erbittert.

Naravas zweifelte an der Treue seiner Numidier. Zudem konnten die Barbaren siegen. Eine seltsame Schwäche hatte ihn ergriffen. Aller Augenblicke trank er einen großen Becher Wasser.

Da öffnete ein ihm Unbekannter sein Zelt und legte auf den Boden eine Krone aus Steinsalz mit symbolischem Zierat aus Schwefelkristallen und Perlmuttervierecken. Man sandte bisweilen dem Bräutigam solch eine Hochzeitskrone. Das war ein Liebespfand, eine Art Aufforderung.

Dennoch empfand Hamilkars Tochter keine Zärtlichkeit für Naravas. Die Erinnerung an Matho beunruhigte sie in unerträglicher Weise. Es dünkte ihr, als ob der Tod dieses Mannes einen Bann von ihrer Seele nehmen müsse, wie man den Biß einer Giftschlange heilt, indem man sie auf der Wunde zerquetscht. Der Numidierfürst schmachtete nach ihr. Ungeduldig harrte er seiner Hochzeit, und da diese dem Siege folgen sollte, so sandte Salambo ihm dieses Geschenk, um seinen Mut anzufeuern. Da verschwand seine Bangigkeit, und er dachte nur noch an das Glück, ein so schönes Weib besitzen zu sollen.

Der gleiche Traum lockte auch Matho. Aber er bezwang seine Liebe und widmete sich völlig seinen Waffengefährten. Er liebte sie wie Teile seines eigenen Ichs. Sein Haß beseligte ihn. Er fühlte seine Seele geläutert und seine Arme gekräftigt. Alles, was er auszuführen hatte, stand ihm klar vor Augen. Wenn ihm zuweilen ein Seufzer entschlüpfte, so galt er dem Angedenken des Spendius.

Er ordnete seine Barbaren zu sechs gleichstarken Abteilungen. In die Mitte nahm er die Etrusker, die alle durch eine eherne Kette aneinandergefesselt waren. Hinter ihnen standen die Schützen. Auf die beiden Flügel stellte er die Naffurs, die kurzgeschorene, mit Straußenfedern geschmückte Kamele ritten.

Der Suffet brachte seine Karthager in eine ähnliche Schlachtordnung. Rechts und links von der Phalanx des gepanzerten Fußvolks stellte er die Leichtbewaffneten und die Klinabaren auf, an den Flügeln die Numidier. Als es tagte, standen sich beide Heere in dieser Aufstellung gegenüber und musterten einander von weitem mit großen wilden Augen. Zuerst zauderte man, dann aber setzten sie sich gegeneinander in Bewegung.

Die Barbaren rückten langsam vor, um nicht außer Atem zu kommen. Der Boden dröhnte unter dem Takte ihres Marsches. Die Mitte des punischen Heeres war in einem konvexen Bogen ein wenig vorgeschoben. Es erfolgte ein furchtbarer Zusammenprall, gleich dem Krachen zweier gegeneinander stoßenden Flotten. Die vorderste Linie der Barbaren schloß sich rasch auf. Die dahinter gedeckt stehenden Schützen schleuderten jetzt ihre Kugeln, Pfeile und Wurfspieße. Nunmehr flachte sich der Bogen der karthagischen Mitte allmählich ab. Sie wurde gerade, ja sie bog sich nach innen. Jetzt schwenkten die beiden Massen der Leichtbewaffneten schräg vorwärts wie die beiden Schenkel eines sich schließenden Zirkels. Die Barbaren, im wilden Handgemenge mit der Phalanx, waren nahe daran, in diesen Winkel hineinzugeraten. Das wäre ihr Verderben gewesen. Matho beorderte sie zurück, und während die punischen Leichtbewaffneten in ihrer begonnenen Bewegung verharrten, dirigierte er seine Reserven gegen sie. Dadurch verlängerte sich alsbald sein Zentrum nach beiden Seiten, und seine Stellung erschien um das Dreifache verlängert.

Aber die Barbaren, die an den beiden Enden standen, namentlich die auf dem linken, die bald ihre Pfeile verschossen hatten, waren zu schwach. Als die punischen Leichtbewaffneten gegen sie anstürmten, wurden sie in Unordnung gebracht.

Matho ordnete die Rückwärtsbewegung seines linken Flügels an. Auf dem rechten Flügel hatte er noch die mit Äxten bewaffneten Kampaner. Er warf sie gegen den linken Flügel der Karthager. Sein Mitteltreffen griff ebenfalls wieder an, und der linke Flügel, jetzt außer Gefahr, hielt den Leichtbewaffneten wieder stand.