Die Sklavin nahm das Nebal, eine Art Harfe aus Ebenholz, höher als sie selber und dreieckig wie ein Delta, stellte es mit der unteren Spitze in einen Glasnapf und begann mit beiden Händen zu spielen.

Die Töne folgten dumpf und ungestüm aufeinander wie Bienengesumm. Allmählich wurden sie heller und lauter und flohen in die Nacht hinaus, zu den wimmernden Wogen und den rauschenden hohen Bäumen auf der Kuppe der Akropolis.

»Hör auf!« rief Salambo.

»Was hast du, Herrin? Der weiche Wind, der weiter weht, Wolken, die schon wieder weg sind, alles bewegt und erregt dich jetzt.«

»Ich weiß es nicht!«

»Du machst dich matt durch zu viel Beten.«

»O Taanach, ich möchte in meinem Gebete zerfließen wie der Duft einer Blume im Wein.«

»Vielleicht ist der Weihrauch daran schuld?«

»Nein!« sagte Salambo. »In den Wohlgerüchen wohnen der Götter Seelen.«

Da sprach die Sklavin von Hamilkar. Man glaube, er sei nach dem Lande des Bernsteins gefahren, über die Säulen des Melkarth hinaus. »Und wenn er nicht wiederkommt,« flüsterte sie, »dann mußt du dir, wie es sein Wille war, unter den Söhnen der Alten einen Gatten wählen. In den Armen eines Mannes wird dann dein Kummer vergehen.«