Und seine untertänigen Diener liefen und rollten und entrissen dem zuckenden Leib die versehrten Teile, bis er, kalt und leblos, von den fröhlichen Menschen verlassen, zur Hälfte verbrannt, zur Hälfte versunken, in den Wassern hing, die ihn wie Tausende Schleusen umrauschten.

Nachts aber, wenn das Meer überschwoll, erhob sich der rachsüchtige Gott und schrie und stöhnte an dem zerschellten Gerippe, das seine Liebeshoffnung gewesen war. Zuweilen auch nahm er in Wut die Hände voll mannshoher Wellen und bedrängte mit ihnen den toten Leib, schlug und polterte auf ihn ein und kauerte sich darin zusammen. Neugierige Fische wollen gesehen haben, wie er ihn in unbeweglichen Frühlingsnächten mit weichen Fingern in zärtliche, dunkelblaufließende Seiden gehüllt, ihn in flüsterndem Singsang gewiegt und aus seinem Seetangbart tränende Perlen darauf verschüttet habe.

Die Wanderer aber, die sich im Herbstdräu'n hierher verlieren, auf die winters es schneit an der Küste so öder Verlassenheit, stehen und lugen in Bangnis nach ihm und sprechen mitleidsvoll von den armen Menschen, die eine ganze schwarze Novembersturmnacht mit dem nassen Tode gerungen.

Niemand aber gedachte des stolzen Schiffes, seines qualvoll langsamen Untergangs und seines geschändeten Leichnams, dem bis heute kein Grab noch geworden.«

*

Die Fischer tranken und schwiegen. Ich sog den unwiderstehlichen Duft von Salzluft, Tang und Meeresatem tief in mich ein, daß er mich ganz durchtränke. Ich horchte dem wachsenden Lärmen der Wasser, und meine Gedanken umflatterten schwer das gestorbene Schiff und seinen wollüstigen Schänder und kämpften um die Möglichkeit einer malerischen Gestaltung.

XVII.

Den 30. Juli 1919.

Wieder zu Hause! Ich male, male, male. Noch zwei, drei Tage. Und das Werk fällt ab von mir und meinem Sein. Wird selbständig. Geht in die Welt. Und ich weiß nicht, wie die tausend Augen da draußen es ansehen, die tausend Herzen es fühlen, die tausend Hirne es verstehen werden. Das Werk fällt ab von dem Künstler wie ein Kind von der Mutter. Wird selbständig. Und doch – so anders. Das Werk nährt sich von unserem Geiste, unserer Seele allein. Des Kindes Säfte sind aus den Samen vielvieler Voreltern aufgeblüht. Seine Seele kann hunderte Jahre nachgeboren sein. Von einem, der ganz fremden Stammes, ganz fremden Sinnes uns wäre und den wir nie begreifen würden. Wie seltsam das ist! Und unerklärlich, solange das Kind uns ganz gehört: in der Frühe seines Lebens ...

Ich male des Tags. Und lebe abends allein im Garten. Ludwig und Henno weichen mir aus. Verschließen mir die Pforte zu ihrem Wesen mehr und mehr. Sie sagen mir nichts als glatte Alltäglichkeiten, wenn wir bei Tisch uns begegnen. Ich lasse sie. Das beendete Werk gibt mir ein Glück, so meeresreich und macht mich weich für ihre Härten. Wie soll ich auch wissen, was heute ihre Jugend, ihre Seelen bedrängt? In Tagen zeige ich ihnen mein Bild, das fertige ... Wie aber, wenn Ludwig sich beim Anschauen nur des wirtschaftlichen Erfolges freute? ... Nur das Recht neuer Ausschreitungen von seinem Ruhme erhoffte?