Welch eine Gewißheit, ein paar Stunden nach der Niederschrift vom Morgen. Eine Gewißheit, die mir durch Zeitungen werden sollte! Und die ich diesen Blättern als Letztes beifügen will ... muß.

Ich glaubte an eine Augentäuschung, ein Versagen meines Gehirns, eine Verzerrtheit der Berichterstattung. Ich rieb die Lider, feuchtete die Schläfen kalt, sah den Namen des Schreibenden an. Wieder und nochmals. Tat andere Blätter auf. Einen Irrtum gab es nicht. Henno Bergmann, der Hochbegabte, Unermüdliche, hatte bei einer Ausstellung der Akademieschüler den Ersten Preis erhalten, für phantasievolle, geniale Entwürfe zu einem Revolutionsball.

Und dennoch: es mußte eine Verzerrung der Tatsachen geben! Vielleicht, daß er mich überraschen gewollt, daß die Preisrichter Henno statt Henny gelesen hatten und deshalb dem Schüler die Ehrung zusprachen ...

»Henno,« schrie ich durchs Haus ...

Er war im Augenblick da. Ich riß die Hülle von meinem Gemälde. Ich wies auf die hingestreuten Zeitungen. Kein Wort konnte mir bis zu den Lippen kommen.

Er stand vor dem Bilde. Und seine Augen besaßen es ganz, Strich um Strich. Brennend und doch wägend.

»Schade,« sagte er, »sehr schade ... aber meine Zukunft ist von größerem Wert ...«

Und als ich, sein Geständnis aus diesen Worten empfangend, zusammenbrach, drang sein Beschwören auf mich ein:

»Bedenk' doch, meine Zukunft! Die Zukunft deines Sohnes! Bist du nicht die Fertige? Was tut es dir Abbruch? Wie lange aber hätte ich beiseite stehen und in Erschöpftheit hinsinken müssen, ehe meine Kunst den Herren Lehrern und Kritikmännern mehr als Machwerk bedeutet hätte? Kannst du nicht Neues dir erdenken und erschaffen alle Tage?«

In abgerissenen Sätzen, zerhackten Worten und Ausrufen widersprach ich seiner Schönfärberei. Ob er in dem Gnadengeschenk künstlerischer Empfängnis eine alltägliche Begebenheit sähe, auf Befehl zu verdichten, mit den Händen zu haschen? Ob er nicht die Not des Schaffens, die Wehen des Werdens, die Marter eines mißlungenen Eindrucks oder Entwurfs, den bitteren Kampf um die Einzelheiten wisse, daß Urheberschaft eines Werkes ihm so Geringes sei?