Der Mann nahm eine lange Stange und nach vieler Mühe konnte er den großen Stein aufheben, und der arme Drache kroch hinaus.

Da war der arme Drache glücklich, wieder frei zu sein, aber da er seit hundert Jahren nichts gefressen hatte, war er sehr hungrig. Er sah überall hin, aber er sah nichts, das er fressen konnte, als seinen Erlöser. Er war dankbar, aber er war so hungrig.

Endlich sagte der hungrige Drache: »Da ich nichts anderes zu fressen finde, so werde ich Sie fressen müssen, obgleich Sie mich erlösten.«

»Ach!« bat der Mann, »das ist doch nicht recht, Drache, ich habe Sie ja erlöst. Ich habe Ihnen viel Gutes gethan. Sie können doch nicht so undankbar sein!«

»Ach!« sagte der Drache, »Undank ist der Welt Lohn!« und der Drache machte den großen Mund auf, um den Mann zu fressen.

Da bat der Mann so inbrünstig um sein Leben, daß der Drache endlich sagte: »Nun, guter Mann, wir wollen zusammen durch den Wald gehen. Wir werden bald jemandem (einem Manne) begegnen, der soll entscheiden (sagen), ob ich Sie fressen kann, da ich doch so hungrig bin und seit hundert Jahren nichts zu essen gehabt, oder ob Sie frei gehen sollen.«

Der Mann und der Drache gingen zusammen durch den Wald. Bald begegneten sie beide einem Hunde.

»Da ist ein Hund, er soll entscheiden!« sagten sie beide. Sie kamen zu dem Hunde und fragten: »Ist es recht, daß der Drache seinen Erlöser frißt, oder soll er vor Hunger sterben?«

»Das weiß ich nicht,« sagte der alte Hund traurig. »Ich habe meinem Herrn ehrlich (gut) gedient, seitdem ich ein sehr kleiner Hund war. Nachts habe ich immer gewacht, so daß niemand (kein Mann) seine Ruhe störe; aber jetzt, da ich alt bin und weder hören noch sehen kann, will er mich töten. Darum lief ich fort! Er ist sehr undankbar, aber Undank ist der Welt Lohn.«

»Ja, das ist der Welt Lohn. Niemand ist dankbar, so brauche ich auch nicht dankbar zu sein,« sagte der Drache zu dem Manne. »Ich habe Recht und ich will Sie sogleich fressen.«