Es waren keine Ratten und Mäuse mehr in der Stadt Hameln, aber es waren auch keine Kinder mehr, weder große noch kleine, und die Eltern weinten bitterlich.

Es war nur ein Kind in Hameln. Das Kind war lahm. Es konnte nicht tanzen, und es weinte auch und sagte immer: »Ach, warum konnte ich nicht mit den anderen Kindern gehen? Der Pfeifer spielte so schön, und die Musik sprach (sagte) von Rosen und Zucker, von Honig und Kuchen. Die Kinder haben gewiß viele schöne Rosen im Berge gefunden, und der Pfeifer giebt ihnen viel Zucker und Honig, und viele gute Kuchen. Ach, ich bin traurig, und ich muß immer weinen, und die anderen Kinder sind alle so froh.«

Das lahme Kind war traurig, die Mütter und Väter warenes auch, denn sie konnten ihre lieben Kleinen nicht mehr sehen. Alle die Einwohner von Hameln waren traurig und der Bürgermeister sagte:

»Keine Musik soll je in der langen Straße gespielt werden!« und er sagte auch, daß das Jahr tausend zwei hundert vierundachtzig (1284), als der Pfeifer nach Hameln kam, und die Kinder fortnahm, ein trauriges Jahr gewesen, das traurigste, das er je erlebt (gesehen) hatte.

7.
Undank ist der Welt Lohn.
(7)

Ein Mann ging einmal in den Wald, um Holz zu spalten. Er spaltete lange und kam immer weiter in den Wald hinein. Endlich kam er an einen Platz, wo er einen großen Lärm hörte.

»Was ist das?« sagte der Mann erstaunt. »Ich höre einen großen Lärm. Was kann es sein?«

Er suchte überall und fand bald einen großen Drachen, der unter einem großen Steine lag, und der nicht fortkommen konnte.

»Ach, lieber Mann,« sagte der Drache, »helfen Sie mir, bitte, bitte! Ich bin hier schon hundert lange Jahre!«

Der Mann sagte: »Es ist schade, daß Sie da unter dem Steine bleiben müssen. Ich will Ihnen helfen!«