»Margarethe,« sagte er dem Kindermädchen, »kommen Sie in den Hof und tanzen Sie mit mir. Niemand kann so gut tanzen als Sie!«

»Ach,« sagte Margarethe traurig. »Ich kann nicht kommen. Das Kind schläft, und ich habe der lieben Gräfin versprochen, das Kind nicht einen Augenblick aus den Augen zu lassen.«

»Margarethe, kommen Sie doch!« bat der junge Diener. »Das Kind schläftja fest. Kommen Sie nur eine Minute. Wir wollen nur einen Tanz zusammen tanzen. Sie werden bald wieder hier sein, und da das Kind immer zwei Stunden schläft, wird es sicher noch nicht aufwachen. Hier in der Wiege ist es doch sicher, so kommen Sie!«

Margarethe tanzte so gern, daß sie endlich in den Hof ging, um nur einen Tanz mit dem Diener zu tanzen, und ließ das schlafende Kind im Kinderzimmer allein.

Die Musik war so schön, daß sie einen zweiten und dritten Tanz tanzte, und das schlafende Kind vergaß, bis die Musikanten fortgingen. Dann sagte sie:

»Ach, das liebe, schlafende Kind habe ich vergessen. Ich muß schnell in das Kinderzimmer gehen. Vielleicht ist es schon aufgewacht, vielleicht weint es bitterlich, es ist ja allein!«

Margarethe sprang die Treppen hinauf. Alles war still. Sie trat leise in das Kinderzimmer, aber da blieb sie erstaunt still stehen.

Alles lag auf dem Boden! Eine zweite Thür, die zu einer anderen Treppe führte, war weit offen, und die Wiege war leer!

Margarethe dachte zuerst: »Das Kind ist aus der Wiege gefallen!« Sie suchte es, aber da sie es nicht finden konnte, schrie sie laut vor Angst.

Die Diener kamen alle, suchten alle, aber sie konnten weder das Kind finden, noch das Bild der schönen Gräfin, das auf dem Tische gelegen.