»Ach,« sagte Margarethe laut weinend. »Das Kind ist fort! Ach, warum habe ich es allein gelassen? Warum bin ich in den Hof gegangen?«

Die anderen Diener sprachen alle zusammen und sagten: »Das Kind wurde gestohlen! Die Musikanten waren Räuber! Sie haben Tanzmusik gespielt, und als sie sahen, daß wir alle im Hofe waren, ist einer von ihnen in das Kinderzimmer gekommen, hat das schlafende Kind aus der Wiege genommen, und ist durch die andere Thür und die kleine Treppe in den Wald entkommen!«

Da sie alle in dem Schlafzimmer waren, hörten sie nicht daß ein Wagen schnell heranfuhr. Es war der Wagen der schönen Gräfin. Ihr Mann war nicht tot, nein, er war genesen, und da er in einigen Tagen wieder fechten konnte, hatte er seine Frau nach Hause geschickt, so daß das liebe Kind nicht länger allein mit den Dienern bliebe.

Die Gräfin war sehr erstaunt, niemand in dem Hofe zu finden, aber sie sprang schnell die Treppen hinauf, um das liebe Kind zu küssen, und trat schnell in das Kinderzimmer.

Da sah sie die traurigen Diener, das weinende Kindermädchen und die leere Wiege! Sie wurde totenblaß und rief ängstlich:

»Ach, was ist geschehen? Was ist geschehen? Wo ist mein Kind? Sprechen Sie doch, wo ist das liebe Kind?«

Die Diener konnten zuerst kein Wort sprechen, aber endlich erfuhr die arme Mutter alles.

»Ja, ja, das Kind ist gestohlen worden,« sagte sie. »Die Musikanten sind Kinderräuber. Nehmen Sie Pferde, reiten Sie schnell in den Wald und suchen Sie mein Kind überall. Sie werden es sicher noch finden. Die Leute, die es gestohlen haben, sind arm, sie haben keine Pferde, sie können noch nicht weit von hier sein. Gehen Sie, gehen Sie schnell!«

Die Diener liefen und ritten alle in den Wald. Sie suchten überall, aber sie konnten weder Kind noch Musikanten finden.

Das Kindermädchen und die Gräfin suchten auch, aber sie konnten weder Kind noch Musikanten finden.