Dann weinte die arme Gräfin bitterlich und war sehr traurig. Tag und Nacht dachte sie an das liebe Kind, und oft sagte sie:
»Die Leute haben das Kind sicher gestohlen, um viel Geld zu haben. Warum kommen sie nicht? Ich würde alles hingeben, um das liebe Kind wieder hier, in meinen Armen, zu halten. Ach! wenn mein lieber Mann nur hier wäre! Aber, ich kann ihm nicht sagen, daß unser Sohn gestohlen ist. Er ist verwundet, und sobald er hergestellt ist, muß er für den König und das Vaterland streiten. Ja, ich muß warten, bis der Krieg zu Ende ist, oder bis die Räuber mein Kind zurückbringen!«
Als das Kindermädchen ihre arme Herrin so bitterlich weinen sah, wurde sie immer unglücklicher, und endlich sagte sie zu sich selbst:
»Hier kann ich nicht länger bleiben. Ich kann das Weinen der armen Gräfin nicht sehen. Ich habe das Kind allein gelassen. Das war nicht recht. Ich bin bestraft, ja, ich bin bestraft! Ich kann nie wieder glücklich sein, bis das Kind seiner Mutter zurückgegeben ist. Aber ich kann nicht hier im Schlosse bleiben und meine Herrin trauern sehen, ich muß fort.«
Das arme Kindermädchen ging fort, um ihr Brot weit von dem Schlosse Eichenfels zu verdienen.
2. Die Grube.
Der arme kleine Heinrich weinte auch, denn eine böse alte Frau war leise in sein Zimmer gekommen, als die Diener im Schloßhofe lustig tanzten. Die Frau hatte das schlafende Kind auf den Arm genommen, und hatte auch viele schöne Dinge genommen. Auf dem Tische lag ein kleines Bild der Gräfin, das mit Perlen und Diamanten besetzt war. Das hatte die böse Frau schnell genommen. Dann war sie leise, leise die Treppen hinunter gegangen. Durch eine kleine Thür in der Schloßmauer war sie ungesehen in den Wald gekommen, und war schnell, sehr schnell, den Berg hinaufgegangen.
Die Räuber hatten eine alte Grube in dem Berge gefunden, und da wohnten sie. Sie blieben in der Grube während des Tages und kamen nur Nachts heraus, um zu stehlen.
Die alte Frau kam bald an einen Platz, wo die Gebüsche sehr dicht waren. Sie kroch durch die Gebüsche und kam endlich zu einer kleinen Thür. Sie öffnete die Thür mit einem Schlüssel und ging in den Berg hinein. Dann machte sie die Thür wieder fest zu und zündete eine kleine Lampe an. Jetzt konnte man sehen, daß sie in einem Gange stand.
Der Gang war finster, und die kleine Lampe gab nicht sehr viel Licht. Die Frau ging mit der Lampe den Gang entlang und endlich kam sie an einen Platz, wo viele Gänge zusammenkamen. Da war ein weiter Raum. Hier waren viele, viele Dinge, Beute, welche die Räuber gestohlen hatten.