Der Prinz erkannte die Prinzessin, und wollte ihre schöne weiße Hand küssen, aber der Zauberer rief:
„Halt, mein Prinz! Ich weiß ganz gut, daß Sie diese Prinzessin freien wollen. Nun, Sie sollen sie haben, wenn Sie sie drei ganze Nächte hindurch nicht einmal aus den Augen lassen. Wenn sie verschwindet, sollen Sie, wie alle Ihre Vorgänger, auch versteinert werden.“
Der Zauberer führte die schöne Prinzessin zu einem Stuhle, in mitten des Zimmers, und ließ sie da. Der Prinz saß an ihrer Seite und sprach zu ihr, sie aber erwiderte kein Wort.
Er dachte, daß er wach bleiben und die schöne Prinzessin nicht aus den Augen lassen würde, aber er schlief dennoch ein.
Der Lange, der sich dreimal um den Stuhl der Prinzessin gewickelt hatte, schlief auch ein; so wie auch der Breite und der Scharfäugige.
Als der Morgen heranbrach, wachten sie alle auf, und sahen, daß die Prinzessin verschwunden war. Der Prinz jammerte laut, aber der Scharfäugige nahm seinen Verband ab, ging ans Fenster und rief:
„Jammern Sie nicht, mein Prinz. Ich sehe die Prinzessin. Hundert Meilen von hier ist ein Wald. In diesem Walde ist eine Eiche; an der Eiche ist eine Eichel und darin ist die Prinzessin! Wir wollen sie holen.“
Der Lange nahm den Scharfäugigen auf seine Schultern und machte sich so lang, daß er bei jedem Schritt zehn Meilen zurücklegen konnte. In einigen Minuten brachten sie die Eichel dem Prinzen.
„Werfen Sie sie auf den Boden, mein Prinz!“ rief der Lange, und sobald der Prinz dieses gethan, stand die schöne Prinzessin vor ihm. In demselben Augenblick öffneten sich die Thüren weit und der Zauberer trat herein. Als er die Prinzessin gewahr wurde, war er so böse, daß einer der eisernen Ringe um seinen Leib zersprang. Er führte die Prinzessin aus dem Saale, und der Prinz und seine drei Diener waren den ganzen Tag allein. Sie hatten genug zu essen und zu trinken, aber sie konnten weder Zauberer noch Prinzessin finden, und sahen nichts als versteinerte Männer.
Am Abend aber führte der Zauberer die Prinzessin wieder in den Saal, und der Prinz und seine Gefährten wachten wieder.