Und Kay und Gerda schauten einander in die Augen und verstanden auf einmal das alte Lied:

„Ich liebe die Rosen in all’ ihrer Pracht,
Doch mehr noch den Heiland, der selig uns macht!“

Da saßen die beiden, Erwachsene und doch Kinder, Kinder im Herzen; und es war Sommer, warmer, erquickender Sommer. —

[Fliedermütterchen.]

Bebend vor Fieberfrost lag ein kleiner Knabe im Bett, weil er sich erkältet hatte. Er war mit nassen Füßen nach Hause gekommen, doch niemand konnte begreifen, wie das geschehen war, da es nicht geregnet hatte. Seine Mutter ließ die Theemaschine hereinbringen, um ihm eine gute Tasse Fliederthee zu kochen, denn der wärmt. Zu gleicher Zeit trat auch der alte, muntere Mann zur Thüre herein, der ganz oben im Hause wohnte und völlig für sich allein lebte, denn er hatte weder Weib noch Kind, hatte aber die Kinder gar lieb und wußte so viele Märchen und Geschichten zu erzählen, daß es eine Lust war, ihm zuzuhören.